Montag, 26. September 2016

Zwei vs. ein Elternteil

Heute widme ich mich einem großen Anliegen. Dass Alleinerziehende es nicht einfach haben, ist bekannt. Dass die Mama-Papa-Kind-Konstellation super ist, ist auch bekannt. Aber wie sieht es mit der Zwischenform aus? Mit dem sogenannten Wechselmodell? Dazu möchte ich euch ein bisschen was schreiben. 

Ich bin nicht (mehr) Alleinerziehend. Das war ich noch nie zu 100%. Nur zu 75. Die anderen 25 war Papa da. Mein Geld habe ich trotzdem alleine verdient, ebenso die Ausgaben alleine getragen. Es war nicht perfekt, aber machbar. 
Auch wenn ich einen Partner habe, der mich super unterstützt und mit mir eine Familie bildet, spielt trotzdem der Papa eine sehr große Rolle in meinem Leben. Seit einem Jahr etwa, haben wir ein Wechselmodell. Das heißt, mein Sohn ist eine Woche bei mir, eine Woche beim Papa. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Beide Elternteile erleben den regulären Alltag. Beide Elternteile sind für die Erziehung gleichermaßen verantwortlich. Beide Elternteile tragen Ausgaben für das Kind gemeinsam. Und das allerwichtigste, mein Sohn hat seinen Papa und niemanden durch die Scheidung verloren, sondern, wenn man unser beider Partner mit einbezieht, neue Familienmitglieder dazu bekommen. Natürlich ist die "freie" Woche super, damit ich mehr arbeiten kann (Nebenjob) oder auch einmal Termine wahrnehmen kann. Ebenso ist es sehr wichtig, auch mal "Freundin" oder "Partnerin" zu sein - nicht immer nur mit Anhängsel. In der Theorie eine perfekte Kombination - in der Praxis nicht immer leicht. 
Das hat folgende Gründe:
Papa und ich müssen permanent Kontakt haben. Sei es wegen Kiga-Veranstaltungen, Arztbesuche oder teilweiser Änderung der Wochen, wenn jemand etwas mit dem Kleinen geplant hat. Es führt aber zu Streitereien, da es bestimmte Gründe gab, warum wir uns getrennt haben. Diese Streitigkeiten sind nach wie vor vorhanden, sonst wären wir nicht geschieden. Das führt auch gerne mal zu Spannungen. Auch Erziehungsfragen und -themen sehen wir teilweise unterschiedlich. Grundregeln braucht aber das Kind. Die hat der Zwerg auch, aber einige Bereiche, zum Beispiel Fernseh-Zeiten, sehe ich anders. Da ist unsere Kommunikationsfähigkeit gefragt. Die leidet durch die Trennungsgründe. Ich möchte nicht, dass mein Sohn unter Woche fernsieht. Der Papa sieht das lockerer. Da werden wir uns auch niemals einig. Ebenso bin ich der Meinung, dass Gabor Ergotherapie besuchen sollte. Der Papa nicht. Er möchte auch nicht mit ihm dorthin gehen. Das bleibt einmal wöchentlich an mir hängen. Es war schon ein Kampf, den Papa überhaupt zu überzeugen, dass das eine gute Sache ist. Wieder Telefonate, Gespräche, Streitigkeiten. Kleine Kämpfe, die es oft zu führen gibt. 
Viel zu melden, haben unsere neuen Partner nicht, da das andere Elternteil sehr präsent ist. Auch bekommen diese den Ärger ab/mit und können nicht viel tun. Anfangs hatte ich noch Sorge, dass ich meinen Sohn "schlechter" erziehen kann, wenn er nur eine Woche bei mir ist. Oder wenn ich krank bin, ist die Woche vielleicht schon vorbei und ich hatte nicht viel von meinem Sohn. Ich mag es auch nicht, wenn andere mich "beneiden", wie ich Kind, Job, Hobby unter einen Hut bekomme. Als "Teilzeit-Mami" geht das eben deutlich einfacher. 
Finanziell stehe ich auch nicht schlechter da, als vorher. Eher besser. Da durch das Wechselmodell niemandem Unterhalt zusteht, muss jeder für den Kleinen gleichermaßen aufkommen. Aber durch die vermehrte Freizeit kann ich mehr arbeiten gehen. Haupt- und Nebenjob sind bei mir zeitlich ein Vollzeitjob. Eben nur gesplittet. 
Toll ist allerdings, dass wir Weihnachten und auch den Geburtstag zusammen verbringen. Toll ist, dass unser Sohn uns nicht gegenseitig ausspielen kann, weil wir miteinander reden. Das hat er auch ziemlich schnell verstanden. Als ich ihm das erste Mal gedroht hatte, dass ich Papa anrufe und frage, ob das so stimmt, hat er noch gelacht. Nach dem Telefonat hat er nicht mehr gelacht. Toll ist, dass nicht nur Papa die schönen Erlebnisse teilt, sondern auch den manchmal anstrengenden Alltag. Toll ist, dass wir ein Verhältnis haben, dass man zwar nicht als Freundschaft bezeichnen kann, aber wir können uns mit Respekt begegnen. 
Durch unsere neuen Partner ist es uns möglich, dass wir alle arbeiten gehen können. Einer von vieren ist immer da, um auf ihn aufzupassen. Auch, wenn er einmal krank ist. 

Jede Familien-Konstellation hat Vor- und Nachteile. Man kann nie pauschal sagen, dass diese oder jene schlechter oder besser ist. Ich bin zufrieden mit meiner Großen-Happy-Patchwork-Familie. Der kleine Mann freut sich über seine große Familie, denn wir alle gehören dazu: Mama, Papa, unsere Partner und auch die Kinder der neuen Partnerin meines Exmannes. Er hat vieles gewonnen und das habe ich immer im Hinterkopf. Dann überstehe ich auch den nächsten Machtkampf. 

Freitag, 26. August 2016

Urlaubswahnsinn

In jedem Urlaub nimmt man sich Dinge vor, die erledigt werden sollten/müssen. Bei mir waren es die Fenster und der Keller. 
Die Fenster hatte ich in meiner ersten Woche geputzt. Jetzt 2,5 Wochen später sind sie wieder dreckig. Es hat sich also gelohnt. 
Mein Keller wurde ausgemistet, allerdings steht der Müll noch drin. Zwar sortiert, aber immer noch im Keller! Die Fahrt zum Wertstoffhof konnte aus irgendeinem mir absolut unbekanntem Grund (mein Verlobter hatte keine Zeit) nicht stattfinden. 
Auch wollte ich mehr mit meiner Freundin und den Kindern unternehmen. Das hat in den fast 3 Wochen immerhin 1x funktioniert. In dieser Woche war ich zwei Tage "flachgelegen" wegen Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen. 
Das einzige, was ich wirklich einigermaßen hinbekommen habe, war, Zeit mit meinem Sohn zu verbringe. Wir haben einige Ausflüge gemacht, waren wandern und das hat wirklich Spaß gemacht. 
Man sagt zwar, dass Urlaub erst ab 3 Wochen erholsam ist, aber um wirklich alles abzuarbeiten und meine ToDo-Liste leer zu bekommen, bräuchte ich noch einmal drei. 
Andererseits ist es gut, dass der Urlaub vorbei ist. (Lest bitte erst weiter, bevor ihr euch denkt "Die spinnt doch, wenn sie so etwas glaubt!" und einfach die Seite verlasst.)
Jeder Ausflug kostet Geld. Umsonst ist nur das allerwenigste. Zumindest Sprit für entferntere Ausflugsziele. Billiger als eine Urlaubsreise ist das nicht unbedingt. Dann hat Sohnemann auch Wünsche. Hier ein Eis, dort eine Kleinigkeit zum Spielen und ehe man es sich versieht, hat man für einen Tag 50€ weg. 
Selbst die eine Nacht, die wir am Zeltplatz verbracht haben, hat uns bisschen was gekostet. Knapp 20€ für die Übernachtung, dann noch Getränke, Grillfleisch, Frühstück. 
Natürlich kann und soll man sich auch einmal etwas gönnen. Aber wann ist Schluss? Nur zu Hause zu sitzen oder täglich am See, ist nicht unbedingt das, was ich mir unter Urlaub vorstelle. Abwechslung muss her. 

Ebenso muss ich auch wieder die Schlafenszeit meines Sohnes umstellen. Momentan schläft er ab ca 22:30 oder 23:00 Uhr bis morgens um 08:00. Nächste Woche geht der Kindergarten wieder los, das heißt um 07:30 aufstehen. Bin mal gespannt, wie das funktioniert. 

Mein Resümee:

Es müssen nicht unbedingt Freizeitparks oder große Unternehmungen sein. Wir waren wandern in der Fränkischen Schweiz, im Jura-Museum und Fossilien ausgraben. Das alles kostet nicht viel, macht aber Spaß. Mein Sohn konnte Felsen erklimmen, Höhlen erkunden und hat etwas gelernt. Er war aber auch zufrieden, wenn wir doch einen Tag zu Hause gebracht haben und einen Film gesehen haben. Nicht auf die Quantität (so viel zu machen, wie irgendwie geht), sondern auf die Qualität kommt es an. Ausgewählte Ausflüge, über die wir danach gesprochen haben. Auch wusste mein Sohn, was solche Unternehmungen kosten und wie lange ich dafür arbeiten muss. Die Freude, dann noch ein Eis zu bekommen, haben uns drei glücklich gemacht. Und nur darauf kommt es an. 

Freitag, 12. August 2016

Bine wird zu Brautzilla

Bisher hielt ich das für ein Gerücht. Frauen, die beim Thema Hochzeit entweder weinen vor Freude und oder Trauer, wütend werden, weil die Einladungskarten zwei Stunden später in den Briefkasten gesteckt wurden, enttäuscht sind, weil der Wetterbericht statt strahlendem Sonnenschein bei 28 Grad nur Sonnenschein bei 26 Grad melden. 
Doch so langsam verstehe ich das ganze. Nach dem Theater mit meinen Schuhe (eigentlich doch noch mehr mittendrin), bin ich der Meinung, dass man ruhig die ganze Hochzeitsplanung lang hormonelle Achterbahnfahrten unternehmen kann, die 100x schlimmer sind, als eine Volleyball-Mannschaft während ihres PMS-Schubes. 
Von Anfang an war für mich klar, dass ich in diesen Schuhen heiraten möchte. Von Anfang an war für mich klar, dass ich in dieser Location heiraten werde. Und doch ist da das Thema Unsicherheit. Vielleicht ist das Kleid doch nicht so toll, vielleicht sind die Schuhe doof, vielleicht, vielleicht, vielleicht. So unsicher bin ich mir nicht einmal, wenn es darum geht, welches Buch ich als nächstes lesen soll. 
Ich bin auf Zuspruch diverser Freunde angewiesen, ich könnte weinen, wenn ich an die eigentliche Trauung denke und überhaupt wird alles wunderschön katastrophal mit einem Touch eleganter Tollpatschigkeit. 
Diese ganze Geschichte artet aus. Jetzt weiß ich, wie sich Elefanten fühlen müssen und warum Menschen nur 9 Monate schwanger sind. Alles, was über 9 Monate hormonelle Schwankungen geht, ist nicht für Menschen vorgesehen. 
Obwohl ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe, möchte ich auf den Tisch hauen und sagen: "Ich bin die Braut! Kümmert euch die restlichen 10 Monate nur noch um mich und meine Belange!" Andererseits möchte ich mich verkriechen und alles alleine machen und niemandem etwas sagen oder zeigen. 
Schizophrenie im schlimmsten Grad. Mein zukünftiger ist total entspannt. Wenn die Karten eine Nuance heller sind, als geplant, ist doch nicht schlimm. Wenn die Schuhe nicht passen, kein Problem, kann man Umtauschen. 
Wie kann man so tiefenentspannt sein? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, er ist an der ganzen Hochzeit gar nicht beteiligt. 
Aber wenn ich so in meiner Hochzeitsgruppe lese, ist das ganze Heiraten wirklich meist nur "Frauensache". Dabei hat ER mich doch gefragt, nicht umgekehrt. 
Natürlich steigere ich mich zu sehr rein, natürlich übertreibe ich. Das weiß ich selber. Aber ich heirate zum letzten Mal in meinem Leben. Es muss alles stimmig sein. Und es muss alles perfekt sein. 
Letzten Endes bin ich eine Frau wie jede andere auch. (M)ein perfekter Tag. Nur für mich. 

Montag, 8. August 2016

Urlaub buchstabiert sich H - A - U - S - H - A - L - T

Endlich ist es soweit. Der Moment, auf den ich wochenlang hingearbeitet habe, ist da. URLAUB! Drei Wochen Erholung, Entspannen und es sich richtig gut gehen lassen. 
In meinem speziellen Fall sieht das folgendermaßen aus: Endlich die Hochzeitsplanung voranbringen. Endlich die Hausarbeiten erledigen, die liegen geblieben sind, weil ich zu viel arbeite. Endlich Zeit mit dem Kind verbringen. Wobei letzteres erst in einer Woche funktioniert, da er mit dem Papa im Urlaub ist. Ich bin also eine "Strohmama". Das ist mir auch lieber, als eine "Helikopter-Mama". Obwohl ich mich frage, ob alles gut geht, nichts passiert, der kleine gesund wieder kommt und überhaupt ist meine Erziehung sowieso besser. Den Zusammenhang verstehe ich selber nicht. Nur mein Kopf und der ist nicht mitteilungsbedürftig. 
Die Planungen für die Hochzeit belaufen sich auf DJ und Fotografin buchen. Auch möchte ich langsam mal mit der Tischdeko beginnen und den Karten. Die nächste Zeit, um das zu basteln, wird erst im Weihnachtsurlaub sein. Dann sind es nur noch 6 Monate bis zur Hochzeit. 
Mein erster Urlaubstag begann übrigens damit, dass ich um kurz nach 7 Uhr vom Lärm der Baustelle vor meiner Straße geweckt wurde. Natürlich könnte ich die Fenster schließen. Ersticke ich lieber oder werde ich geweckt? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich heute. Mir kommt auch die Erkenntnis, dass Baustellen-Lärm sich super als Klingelton für den Wecker eignen würde. 
Es ist jetzt 09:00 Uhr und ich hinke meinem Zeitplan etwas hinterher. Eigentlich wollte ich jetzt voller Tatendrang meine Fenster putzen. Was ich in dieser Woche erledigen kann, muss gemacht werden, denn dann habe ich wirklich Urlaub. Zwar mit Sohn, aber auch das nenne ich mal ganz frech Urlaub. 
Der Keller muss ausgemistet werden, die Regale abgestaubt, neu eingeräumt und ansonsten einfach grundgereinigt werden. Mein Frühjahrsputz beginnt eben erst im August dieses Jahr. Fällt bei dem Wetter aber gar nicht auf. 
Ganz übertrieben vorschnell habe ich mir gestern 8 Bücher bestellt. Das war so, als wenn man hungrig einkaufen geht. Man kauft einfach, auch wenn man weiß, dass man nicht alle schafft. Wenn ich Glück habe, ein oder zwei. Das Tolle an Büchern im Vergleich zu Lebensmitteln - sie gehen nicht kaputt. 
Mein Verlobter (es klingt immer noch so seltsam ungewohnt) hat auch ab nächster Woche Urlaub. Aber richtigen. Nicht so, wie ich. Doch meine Motivation mag nicht. Und man soll auf sein Inneres hören. 

Die nächsten Tage werden wir sehen, ob Erholung überbewertet wird, ich mich total wahnsinnig bezüglich meines Zeitplans mache oder einfach mal genießen kann. 

Sonntag, 12. Juni 2016

Ende und Punkt

Der 31. Mai 2016 kam immer näher. Für uns ein besonderes Datum. Denn der Höllennachbar hatte bis abends 18 Uhr Zeit, seine Wohnung zu räumen. 
Natürlich machte er keinerlei Anstalten, dies zu tun. 
Aber da wir ihm alle einen gebührenden Abschied bereiten wollten, geschah folgendes:

Am frühen Vormittag, die Zeit zeigte ca 10 Uhr, nahmen sich folgende Personen Zeit, diesen Abschied gebührend zu begleiten: zwei Streifenwagen der Polizei in Zivil, ein Krankenwagen, eine Richterin und eine Dame vom Jugendamt. 
Natürlich waren auch die Nachbarn geladen, denn nach einem Jahr intensiven zusammenlebens, wollten auch wir ihn Auf-Nimmer-Wiedersehen heißen. 

In einer ruhigen Prozession gingen wir alle hinauf in die Wohnung. Sachte wurde mit starkem Klopfen an die Tür geschlagen, schließlich wollten wir sichergehen, dass er von seiner Matratze fällt und sich ordentlich erschrickt. Natürlich eilte er sofort herbei, um uns nicht die Tür zu öffnen. Somit blieb der Polizei nichts anderes übrig, als ihre speziellen Moves auszuprobieren, die sie gelernt hatten, um eine Tür zu öffnen. Dass die Tür nur angelehnt war, da sie so kaputt war, um eingebaut zu sein, machte die Sache sehr einfach. 

Es gab Geschrei, Erklärungen seitens Richter und Jugendamt, eine kurze Kappelei und der Nachbar wurde in Handschellen abgeführt. Im Hof standen wir unter klatschen und rufen Spalier. Die Stimmung glich einer Hochzeit: Glücksgefühle, manch Träne, Freude, schönes Wetter. Das hätte niemand besser malen können. 

Es ging mit dem KTW in die psychiatrische Klinik. 
Das Aufgebot war noch nicht einmal richtig abgefahren, gingen wir nach oben, um auch seiner Freundin "Auf Wiedersehen" zu sagen. Wir haben sie wie ein wütender Mob damals Dracula, sie hinausgejagt. Leider hatten wir keine Mistgabeln oder Fackeln zur Hand. Wäre auch blöd gewesen, wenn wir selbst unsere Wohnungen angefackelt hätten. 

Sie ging unter Tränen. Immerhin war sie immer das arme Opfer! (Allerdings wissen alle die Wahrheit. Sie steht ihrem Partner in nichts nach.)

Als sie so von dannen zog mit ihrem Gepäck, strömten wir in alle Richtungen aus, um Werkzeug zu beschaffen - das Eingangsschloss musste ausgetauscht werden. 

Allein die Ersatzschlüssel, da unser Nachbar einige verloren hatten, kosteten die Vermieterin um die 150 Euro. Und typisch deutsch, wollen wir einfach unter uns sein, niemanden hereinlassen und sicher gehen, dass auch wirklich kein Mensch auf die Idee kommt, einen gefundenen Schlüssel auszuprobieren. In erster Linie Freunde der beiden, bei denen sie noch Schulden oder eine Rechnung offen hatten. 

Am Nachmittag kam noch einmal die Polizei vorbei, um die Freude mit uns zu teilen. Naja, eigentlich haben sie ihn gesucht, da er aus der psychiatrischen Klinik ausgebrochen ist. Wir haben der Polizei versichert, dass wir ihn ganz sicher NIE WIEDER bei uns ins Haus lassen und wir sofort anrufen, wenn wir ihn sehen. 

Im letzten Jahr habe ich beinahe mehr mit der Polizei als mit meinen Freundinnen telefoniert. Das sagt viel aus. 


Er ist jetzt seit 2 Wochen knapp weg. Und ich genieße es, durch zu schlafen, keinen Lärm über mir zu haben und meinem Sohn nicht dauern erklären zu müssen, warum es Menschen gibt, die einfach nur unmöglich sind. 

Samstag, 7. Mai 2016

Tage der Eltern

Ich finde es wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich Vater und Mutter die jeweils besonderen Tage verbringen. 
Der Papa von meinem Zwerg hat zum Grillen geladen. Allerdings nur meinen jetzigen 3 nE, keine Frauen. Wie komme ich auf so eine dreiste Idee!? Und als ich ihn gefragt habe, ob er das Kind mitnehmen will, hat er mich so entsetzt angeguckt, als hätte ich ihm vorgeschlagen, selbstständig eine OP am offenen Herzen bei vollem Bewusstsein bei ihm durchzuführen. 
Gegen 22:30 Uhr kam 3 nE dann betrunken nach Hause. Aber das ist natürlich nichts außergewöhnliches. Bei vielen Männern und Jugendlichen die draußen unterwegs waren und Vatertag gefeiert haben, kann man froh sein, wenn diese überhaupt grob wissen, wie ein Kind aussieht. Oder vielleicht feiern auch einige bereits Vatertag, obwohl sie noch gar nicht wissen, wie der letzte Discobesuch ausgegangen ist. Vorfeiern ist bekanntlich das schönste Feiern. 
Nun möchte ich mich dem Brauchtum etwas genauer widmen. 
Die Sache mit dem Bollerwagen leuchtet mir ein. Das Bier muss transportiert werden oder auch der betrunkene Kumpel. Außerdem eignet das Teil sich super als Übung für das spätere Kinderwagen schieben. 
Die Geschichte mit dem Bier... Dieses Jahr besonders exzessiv, da das Reinheitsgebot Jubiläum hat. Bestimmt war das der Grund. Hoffentlich. Vielleicht. Eher nein. Männer brauchen Beweggründe, um Bier zu trinken: Das Fussballspiel, die Geburtstagsfeier, Weihnachten, Stress, Feierabend, jegliche Art von allem. Mich wundert es, dass kein Mann sich denkt: "Ich muss auf die Toilette, Zeit für ein Bier!" Dass das Bier in Bayern als Grundnahrungsmittel zählt, ist natürlich auch eine wunderbare Ausrede. 
Am Vatertag gilt jedoch Quantität vor Qualität. Es wird mindestens ein Kasten der billigsten Plörre gekauft und lustig des Weges gezogen und getrunken. Verständlicherweise soll man beim Sport auch viel trinken. Und da Bier zu sehr viel Prozent aus Wasser besteht, leuchtet es ein, dieses isotonische Getränk als Ausgleich zum kilometerlangen Marsch quer durch die Weltgeschichte zu sich zu nehmen. Kilometerlang allerdings hauptsächlich, wenn sich nach 500 Metern der Kasten bereits zur Hälfte geleert hat und man sehr kurvig seines Weges geht. Insgesamt werden so an die 3000 Meter für eine 200-Meter-Strecke gegangen. 
Nicht zu vergessen, dass Vatertag auch der einzige Tag im Jahr ist, an dem Man(n) seine Kumpels wieder sieht, neben Weihnachten, Geburtstagen, Grillabenden, Fussballspielen etc. Das muss auch gefeiert werden. 
Ganz wichtig ist auch, dass man laut und sinnloses durch die Gegen gröhlt. Bei Hirschen mag diese Art des Balzens funktionieren, bei betrunkenen Männer eher weniger. Das hat ihnen nur noch keiner gesagt. 
Und falls es doch funktionieren sollte, gibt es vielleicht im nächsten Jahr einen wirklichen Grund, Vatertag zu feiern. 

Frauen begehen ebenso exzessiv diesen Feiertag. Es wird die Wohnung geputzt, Blumen gekauft, diverse Geschenke, schließlich erwartet man Besuch oder geht besuchen. Man ist nicht nur Mutter, sondern man hat auch eine Mutter, Schwiegermutter, Oma etc. Allen soll Dank gezollt werden! Das Tolle daran ist, dass das ganze bereits ein oder zwei Tage vorher beginnt, da sich so eine Wohnung nicht von alleine putzt. Außerdem ist es meist so, dass das Wetter wirklich schön wird, also brauchen auch die Fenster ihre Grundreinigung. Und auch das passiert nicht von alleine. Der Kuchen wird Sonntag morgens auf die schnelle gebacken. Sehr beliebt ist Erdbeerkuchen, da diese Früchte einem zu diesem Zeitpunkt preislich fast hinterher geworfen werden. Der Blumenstrauß ist natürlich ein in mühevoller Kleinstarbeit ausgesuchtes Kunstwerk vom Blumenladen. Es kommt eben doch auf die Größe an!
Aber beginnen wir am Morgen. Die Mutter steht bereits um 5 Uhr auf, weckt niemanden, um den Kuchen vorzubereiten. Anschließend legt sie sich wieder ins Bett und wartet darauf, von ihren Kindern geweckt zu werden. Diese haben die halbe Nacht vorher damit verbracht, ein wunderbares Geschenk zu basteln. Dass das Kinderzimmer schlimmer aussieht als Nürnberg ´45, ist zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Irgendwann steht Papa auf, natürlich unglaublich vorsichtig, um die schlafende Mami nicht zu wecken. Das Kind ist bereits wach und hat so eine Vorfreude, was die Mutter zu dem Geschenk sagen wird, dass es eigentlich nicht warten möchte, bis sie alleine aufwacht. Aber als pflichtbewusster Papa sorgt er natürlich dafür, dass das Kind die Mama ausschlafen lässt. 
Währenddessen sorgt er für ein leckeres Frühstück. Die angeblich schlafende Mutter betet währenddessen, nicht die Feuerwehr holen zu müssen, da die Flüche und Gerüche aus der Küche schlimmes erahnen lassen. Das Kind wurde vor dem Fernseher/Laptop/Ipad/Handy geparkt, denn da geht es am wenigsten auf den Geist. 
Um 07:30 Uhr ist es dann soweit. Als Mutter hat man um diese Zeit natürlich längst ausgeschlafen. Für den Vater am Tag nach Vatertag gilt natürlich 14 Uhr als Ausschlafzeitpunkt. 
Das Kind stürmt mit Papa, Frühstück und Geschenk das Bett. Die Mama ist total überrascht: Keiner hat Muttertag vergessen, an einem Tag im Jahr ist sie die Königin! Immerhin bis 09:00 Uhr, denn da ist das Frühstück beendet. Der starke Kaffee sorgt für die erste kleine Herzattacke. Es werden aber noch mehr kommen, die in Stärke und Intensität zu nehmen. Danach schmeckt der verbrannte Toast mit der Nicht-Lieblings-Marmelade dennoch sehr gut. Das noch rohe Rührei wird genüsslich verspeist und Mann und Sohn werden für diese außerordentliche Heldentat mehr als nur einmal gelobt. Schließlich gucken auch beide wie Hundebabys, die darauf warten, endlich mit dem Ball spielen zu dürfen. 
Jetzt kommt der Höhepunkt: Das Geschenk. Der Vater hat ganze 5 Minuten an der Tankstelle den Abend davor verbracht, um trotz Kater von Vatertag, den erstbesten Blumenstrauss für 2,99 €  zu kaufen. Die mittlerweile etwas vertrockneten und zerknitterten Blumen werden so herzallerliebst betrachtet, als hätte man ein Baby im Arm. (Merke: Bei nächster Gelegenheit dem Mann mitteillen, dass der Kleiderschrank nun wirklich nicht die beste Aufbewahrung ist.) 
Ein liebevoll in 10 Meter Geschenkpapier und drei Rollen Tesafilm verpacktes Geschenk des Kindes wird nun ausgepackt. Nach innerlichen Flüchen, dem charmanten Dauergrinsen im Gesicht und drei abgebrochenen Fingernägeln später, hält man einen unförmigen Klumpen Ton in schrillen Farben (Nina Haagen ist wirklich dezent dagegen) bemalten in der Hand. Das Was-auch-immer-es-sein-mag wird größte Beachtung geschenkt. Nicht zu vergessen, das wiederholende Lob alle 5 Sekunden. Eine geübte Mutter vergießt hierbei auch noch das ein oder andere Tränchen und überschüttet das Kind mit so vielen Küssen, dass es nicht mal nach zwei Stunden Baden sauberer wäre. 
Das Geschenk ist das Beste, Schönste, Unglaublichste, was man jemals in der Hand gehalten hat! Das soll/muss das Kind spüren. Und darin ist die Mutter begabt. Man kann hier durchaus sagen, sie ist talentiert dafür, Mami zu sein.
Nach diesen 45 Minuten des wohlwollens ist der Muttertag für einen selbst bereits zu Ende. Die Küche muss geputzt werden, das Kinderzimmer, die Wohnung. Besuche stehen an, weitere Geschenke verteilen. 

Und trotzdem ist es so, dass dieser Tag für jede Mutter besonders ist. Man regt sich nicht über den ganzen Stress oder die Sauerei auf. Und wenn man viele Jahre später die Tontasse in der Hand hält, kann man sich noch genau an die strahlenden Kinderaugen erinnern. In diesem Moment weiß man ganz genau, dass man die Beste Mutter der Welt ist und an Muttertag ein riesiges "Danke" bekommt. Das hilft einem, das ganze folgende Jahr bis zum nächsten Muttertag durchzuhalten und über viele kleine Ärgernisse hinwegzusehen. 

Mittwoch, 4. Mai 2016

Lebens-Eintopf

Es ist weltweit bekannt, dass ich nicht kochen kann. Mein Lebens-Eintopf ist demnach aus super gelungen.
Es ging los mit einem Fond. Der Fond scheint mit das wichtigste zu sein. Der ist gut. Der Fond bin ich, so wie ich mich gebe, verhalte, was ich alles tue. Und der ist wirklich genial. Selbst der Henssler würde das neidisch werden. Und je länger er ziehen kann, desto lockerer schmeckt er.
Dazu kamen aber im Laufe des Lebens noch eine Reihe von Zutaten. Zuerst meine Jugend in Form von Gemüse. Einiges verfault, manches exotische, aber eine Grundlage, die noch nicht ganz den Eintopf verkorkst.
Mit Beginn der 20er kamen Kartoffeln dazu. Aber nicht die äußerst vorzüglichen genmanipulierten Speisekartoffeln, sondern vermehrt mehlige. Die, die eigentlich nur dazu da sind, um da zu sein. Ihr merkt, so ganz lecker wird der Eintopf nicht.
Mit Geburt meines Sohnes wurde der Eintopf aber wesentlich besser. Eine ganze Vielfalt an Gewürzen und Geschmacksverstärkern machten eine ziemlich passable Brühe aus der Geschichte. Doch je mehr Fehlschläge mit dazu kamen, desto versalzener wurde die Suppe. Man sagt, der Koch sei verliebt, wenn etwas versalzen ist. Bei mir symbolisiert das eher die Hassliebe zwischen mir und dem Leben.
Das Haar in der Suppe, welches man vielleicht mal merkt, aber nicht unbedingt, gibt es natürlich auch. Ich merke das Haar in der Suppe dann, wenn ich mir etwas vornehme und es dann auf Grund einer winzigen haarkleinen Kleinigkeit doch nicht klappt.
Mit Beginn meiner Beziehung zu 3 nE wurde die Sache noch einmal durchgemischt bzw buchstäblich durchgemixt.

Dadurch habe ich am heutigen Tag einen superleckeren Eintopf, zwar mit einer Spur Bitterkeit, aber genießbar. Es ist kein Einheitsbrei. Das wird es auch niemals. Tagtäglich kommen neue Zutaten hinzu. Anbrennen wird nichts, ständig ist die Brühe in Bewegung. Man muss keine perfekte Köchin sein, um sein Leben zu schmackhaft machen zu können. Ich bin der beste Beweis.