Samstag, 26. Dezember 2015

Ich mache mein Spielzeug kaputt



Nein, 3 nE ist nicht mein Spielzeug. Dennoch mache ich ihn kaputt.
Los ging es im März diesen Jahres, als er plötzlich eine Schwellung an einer Stelle hatte, wo keine sein könnte. In der Leiste. Durch mein geschultes Auge und meine erfahrungsreichen Hände, habe ich direkt einen Leistenbruch diagnostiziert. 3 nE war der Meinung, dass das vom Spielen mit meinem Sohn kommt und hat sich natürlich geweigert, zum Arzt zu gehen. Wieso auch auf eine Arzthelferin mit 10 Jahren (ich bin so alt) Berufserfahrung hören, wenn man es doch als Laie besser weiß. Ein Vorteil ist allerdings, dass 3 nE nicht googelt. Für mich, weil er unbefangen war, für ihn, weil er mir sonst hätte Recht geben müssen. Und das möchte kein Mann. Als er dann 1,5 Wochen später schon beim kleinsten Nieser Schmerzen hatte, musste er zugeben, dass diese Schwellung sich nicht mit kühlen und Schmerzgel behandeln lässt. Endlich ist er zum Arzt gegangen. Das überraschende für uns alle war die Diagnose: „Leistenbruch.“ Ja, da wäre ich nie drauf gekommen. Kurz darauf fand die OP statt. Am Abend zuvor hatte ich mir noch Videos auf YouTube angeguckt, da ich mit in den OP durfte. Ich wollte schließlich bestens vorbereitet sein. 3 nE hat „aus Versehen“ mit rein geguckt und wollte eigentlich gar keine OP mehr. Er hatte Angst um seine wichtigen Teile. Männer übertreiben manchmal. Am nächsten Morgen war ich jedoch selber krank und konnte nicht mit in den OP. Das war für mich das allerschlimmste. 3 nE meinte nur, dass ich wirklich richtig krank sein muss, wenn ich nicht mit in den OP komme. Er wäre froh gewesen, jemanden dabei zu haben, der wirklich Ahnung hat von dem ganzen (so habe ich das zumindest empfunden).
Meinem Ruf als professionelle Arzthelferin wurde ich am nächsten Tag gerecht. Ich kam in das Zimmer herein und habe natürlich direkt nach seinen Werten gefragt. Blutdruck, Temperatur, Blutwerte etc. Er hatte einfach keine Ahnung! Unfassbar. Das einzige, was ich in dem Zimmer gefunden habe, waren Blutdruckmessungen, da er sich eingebildet hatte, vorher eine Rauchen zu gehen und –Überraschung- er ist umgekippt. Die Werte waren einigermaßen ok, aber ich finde es nicht in Ordnung von den Schwestern, ihn rauchen gehen zu lassen. Unverantwortlich. Dass ich natürlich da selbe an seiner Stelle gemacht hätte, tut hier nichts zur Sache. Ebenso wenig, dass ich nach einer OP (Knoten in der Brust) am nächsten Tag shoppen war (BH´s) und ich in der Umkleide umgekippt bin. Aber ich kann mich schließlich selbst behandeln (ist bewusstlos schwierig, ich weiß). Gefragt, wie es ihm geht, habe ich natürlich nicht. Mir ist klar, dass er evtl Schmerzen hat und sich nicht gut bewegen kann nach so einem Eingriff. Das muss ich nicht von ihm hören. Ich habe noch seinen Bauch abgetastet und mir die Wunden angesehen. Dann war ich zufrieden und konnte wieder fahren. Seine Mitstreiter im Zimmer haben gelacht. Weil 3 nE natürlich vorher schon erzählt hat, wie fürsorglich ich mit ihm umgehe, wenn er etwas Ernstes hat. Vielleicht hätte ich ihm etwas mehr Zuwendung schenken sollen, aber ich weiß nun mal mehr, wenn ich Werte habe, mir die Nähte anschaue und auch sonst eigentlich nicht mit ihm spreche, sondern ihn nur untersuche. In dem Moment ist er nicht mein Partner, sondern mein Patient. (Bei meinen Freunden bin ich etwas fürsorglicher, glaube ich.)
Einige Zeit darauf kam ein Hexenschuss. Ich bezeichne das als eingeklemmten Ischiasnerv. Und auch hier wieder dasselbe Spiel. Auf mich nicht hören wollen. Mir Schmerzen vorjammern, obwohl ich weiß, dass er welche hat, aber keine Meinung oder keinen Rat haben wollen. Warum fragt er dann eigentlich? (Tut er nicht, ich dränge mich auf.) Aus einem mir unerfindlichen Grund wollte er auch nicht, dass ich eine Spritze besorge und die ihm gebe. Scheinbar hat er kein Vertrauen zu meinen unglaublichen Fähigkeiten. Ich habe ihm noch nie Grund gegeben, an meinen Diagnosen zu zweifeln. Gut, er hatte bisher auch noch nicht so viele Erkrankungen. Bevor er mich kannte, gar keine, um genauer zu sein.
Er muss einfach lernen, was für ein unbeschreibliches Glück er hat, mit einer Arzthelferin/Sanitäterin zusammen sein zu dürfen!

Klarstellung: Ich habe ihn nicht direkt kaputt gemacht. Also eigentlich gar nicht. Es war Schicksal, dass er einen Leistenbruch bekommt, wenn er mit einer Arzthelferin zusammen ist. Sonst wäre das ganze anders ausgegangen. (Natürlich weiß ich, dass ein Leistenbruch nicht lebensbedrohlich ist, aber wie heißt es so schön: Mal wieder habe ich ein Leben gerettet!)

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