Montag, 26. September 2016

Zwei vs. ein Elternteil

Heute widme ich mich einem großen Anliegen. Dass Alleinerziehende es nicht einfach haben, ist bekannt. Dass die Mama-Papa-Kind-Konstellation super ist, ist auch bekannt. Aber wie sieht es mit der Zwischenform aus? Mit dem sogenannten Wechselmodell? Dazu möchte ich euch ein bisschen was schreiben. 

Ich bin nicht (mehr) Alleinerziehend. Das war ich noch nie zu 100%. Nur zu 75. Die anderen 25 war Papa da. Mein Geld habe ich trotzdem alleine verdient, ebenso die Ausgaben alleine getragen. Es war nicht perfekt, aber machbar. 
Auch wenn ich einen Partner habe, der mich super unterstützt und mit mir eine Familie bildet, spielt trotzdem der Papa eine sehr große Rolle in meinem Leben. Seit einem Jahr etwa, haben wir ein Wechselmodell. Das heißt, mein Sohn ist eine Woche bei mir, eine Woche beim Papa. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Beide Elternteile erleben den regulären Alltag. Beide Elternteile sind für die Erziehung gleichermaßen verantwortlich. Beide Elternteile tragen Ausgaben für das Kind gemeinsam. Und das allerwichtigste, mein Sohn hat seinen Papa und niemanden durch die Scheidung verloren, sondern, wenn man unser beider Partner mit einbezieht, neue Familienmitglieder dazu bekommen. Natürlich ist die "freie" Woche super, damit ich mehr arbeiten kann (Nebenjob) oder auch einmal Termine wahrnehmen kann. Ebenso ist es sehr wichtig, auch mal "Freundin" oder "Partnerin" zu sein - nicht immer nur mit Anhängsel. In der Theorie eine perfekte Kombination - in der Praxis nicht immer leicht. 
Das hat folgende Gründe:
Papa und ich müssen permanent Kontakt haben. Sei es wegen Kiga-Veranstaltungen, Arztbesuche oder teilweiser Änderung der Wochen, wenn jemand etwas mit dem Kleinen geplant hat. Es führt aber zu Streitereien, da es bestimmte Gründe gab, warum wir uns getrennt haben. Diese Streitigkeiten sind nach wie vor vorhanden, sonst wären wir nicht geschieden. Das führt auch gerne mal zu Spannungen. Auch Erziehungsfragen und -themen sehen wir teilweise unterschiedlich. Grundregeln braucht aber das Kind. Die hat der Zwerg auch, aber einige Bereiche, zum Beispiel Fernseh-Zeiten, sehe ich anders. Da ist unsere Kommunikationsfähigkeit gefragt. Die leidet durch die Trennungsgründe. Ich möchte nicht, dass mein Sohn unter Woche fernsieht. Der Papa sieht das lockerer. Da werden wir uns auch niemals einig. Ebenso bin ich der Meinung, dass Gabor Ergotherapie besuchen sollte. Der Papa nicht. Er möchte auch nicht mit ihm dorthin gehen. Das bleibt einmal wöchentlich an mir hängen. Es war schon ein Kampf, den Papa überhaupt zu überzeugen, dass das eine gute Sache ist. Wieder Telefonate, Gespräche, Streitigkeiten. Kleine Kämpfe, die es oft zu führen gibt. 
Viel zu melden, haben unsere neuen Partner nicht, da das andere Elternteil sehr präsent ist. Auch bekommen diese den Ärger ab/mit und können nicht viel tun. Anfangs hatte ich noch Sorge, dass ich meinen Sohn "schlechter" erziehen kann, wenn er nur eine Woche bei mir ist. Oder wenn ich krank bin, ist die Woche vielleicht schon vorbei und ich hatte nicht viel von meinem Sohn. Ich mag es auch nicht, wenn andere mich "beneiden", wie ich Kind, Job, Hobby unter einen Hut bekomme. Als "Teilzeit-Mami" geht das eben deutlich einfacher. 
Finanziell stehe ich auch nicht schlechter da, als vorher. Eher besser. Da durch das Wechselmodell niemandem Unterhalt zusteht, muss jeder für den Kleinen gleichermaßen aufkommen. Aber durch die vermehrte Freizeit kann ich mehr arbeiten gehen. Haupt- und Nebenjob sind bei mir zeitlich ein Vollzeitjob. Eben nur gesplittet. 
Toll ist allerdings, dass wir Weihnachten und auch den Geburtstag zusammen verbringen. Toll ist, dass unser Sohn uns nicht gegenseitig ausspielen kann, weil wir miteinander reden. Das hat er auch ziemlich schnell verstanden. Als ich ihm das erste Mal gedroht hatte, dass ich Papa anrufe und frage, ob das so stimmt, hat er noch gelacht. Nach dem Telefonat hat er nicht mehr gelacht. Toll ist, dass nicht nur Papa die schönen Erlebnisse teilt, sondern auch den manchmal anstrengenden Alltag. Toll ist, dass wir ein Verhältnis haben, dass man zwar nicht als Freundschaft bezeichnen kann, aber wir können uns mit Respekt begegnen. 
Durch unsere neuen Partner ist es uns möglich, dass wir alle arbeiten gehen können. Einer von vieren ist immer da, um auf ihn aufzupassen. Auch, wenn er einmal krank ist. 

Jede Familien-Konstellation hat Vor- und Nachteile. Man kann nie pauschal sagen, dass diese oder jene schlechter oder besser ist. Ich bin zufrieden mit meiner Großen-Happy-Patchwork-Familie. Der kleine Mann freut sich über seine große Familie, denn wir alle gehören dazu: Mama, Papa, unsere Partner und auch die Kinder der neuen Partnerin meines Exmannes. Er hat vieles gewonnen und das habe ich immer im Hinterkopf. Dann überstehe ich auch den nächsten Machtkampf. 

Freitag, 26. August 2016

Urlaubswahnsinn

In jedem Urlaub nimmt man sich Dinge vor, die erledigt werden sollten/müssen. Bei mir waren es die Fenster und der Keller. 
Die Fenster hatte ich in meiner ersten Woche geputzt. Jetzt 2,5 Wochen später sind sie wieder dreckig. Es hat sich also gelohnt. 
Mein Keller wurde ausgemistet, allerdings steht der Müll noch drin. Zwar sortiert, aber immer noch im Keller! Die Fahrt zum Wertstoffhof konnte aus irgendeinem mir absolut unbekanntem Grund (mein Verlobter hatte keine Zeit) nicht stattfinden. 
Auch wollte ich mehr mit meiner Freundin und den Kindern unternehmen. Das hat in den fast 3 Wochen immerhin 1x funktioniert. In dieser Woche war ich zwei Tage "flachgelegen" wegen Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen. 
Das einzige, was ich wirklich einigermaßen hinbekommen habe, war, Zeit mit meinem Sohn zu verbringe. Wir haben einige Ausflüge gemacht, waren wandern und das hat wirklich Spaß gemacht. 
Man sagt zwar, dass Urlaub erst ab 3 Wochen erholsam ist, aber um wirklich alles abzuarbeiten und meine ToDo-Liste leer zu bekommen, bräuchte ich noch einmal drei. 
Andererseits ist es gut, dass der Urlaub vorbei ist. (Lest bitte erst weiter, bevor ihr euch denkt "Die spinnt doch, wenn sie so etwas glaubt!" und einfach die Seite verlasst.)
Jeder Ausflug kostet Geld. Umsonst ist nur das allerwenigste. Zumindest Sprit für entferntere Ausflugsziele. Billiger als eine Urlaubsreise ist das nicht unbedingt. Dann hat Sohnemann auch Wünsche. Hier ein Eis, dort eine Kleinigkeit zum Spielen und ehe man es sich versieht, hat man für einen Tag 50€ weg. 
Selbst die eine Nacht, die wir am Zeltplatz verbracht haben, hat uns bisschen was gekostet. Knapp 20€ für die Übernachtung, dann noch Getränke, Grillfleisch, Frühstück. 
Natürlich kann und soll man sich auch einmal etwas gönnen. Aber wann ist Schluss? Nur zu Hause zu sitzen oder täglich am See, ist nicht unbedingt das, was ich mir unter Urlaub vorstelle. Abwechslung muss her. 

Ebenso muss ich auch wieder die Schlafenszeit meines Sohnes umstellen. Momentan schläft er ab ca 22:30 oder 23:00 Uhr bis morgens um 08:00. Nächste Woche geht der Kindergarten wieder los, das heißt um 07:30 aufstehen. Bin mal gespannt, wie das funktioniert. 

Mein Resümee:

Es müssen nicht unbedingt Freizeitparks oder große Unternehmungen sein. Wir waren wandern in der Fränkischen Schweiz, im Jura-Museum und Fossilien ausgraben. Das alles kostet nicht viel, macht aber Spaß. Mein Sohn konnte Felsen erklimmen, Höhlen erkunden und hat etwas gelernt. Er war aber auch zufrieden, wenn wir doch einen Tag zu Hause gebracht haben und einen Film gesehen haben. Nicht auf die Quantität (so viel zu machen, wie irgendwie geht), sondern auf die Qualität kommt es an. Ausgewählte Ausflüge, über die wir danach gesprochen haben. Auch wusste mein Sohn, was solche Unternehmungen kosten und wie lange ich dafür arbeiten muss. Die Freude, dann noch ein Eis zu bekommen, haben uns drei glücklich gemacht. Und nur darauf kommt es an. 

Freitag, 12. August 2016

Bine wird zu Brautzilla

Bisher hielt ich das für ein Gerücht. Frauen, die beim Thema Hochzeit entweder weinen vor Freude und oder Trauer, wütend werden, weil die Einladungskarten zwei Stunden später in den Briefkasten gesteckt wurden, enttäuscht sind, weil der Wetterbericht statt strahlendem Sonnenschein bei 28 Grad nur Sonnenschein bei 26 Grad melden. 
Doch so langsam verstehe ich das ganze. Nach dem Theater mit meinen Schuhe (eigentlich doch noch mehr mittendrin), bin ich der Meinung, dass man ruhig die ganze Hochzeitsplanung lang hormonelle Achterbahnfahrten unternehmen kann, die 100x schlimmer sind, als eine Volleyball-Mannschaft während ihres PMS-Schubes. 
Von Anfang an war für mich klar, dass ich in diesen Schuhen heiraten möchte. Von Anfang an war für mich klar, dass ich in dieser Location heiraten werde. Und doch ist da das Thema Unsicherheit. Vielleicht ist das Kleid doch nicht so toll, vielleicht sind die Schuhe doof, vielleicht, vielleicht, vielleicht. So unsicher bin ich mir nicht einmal, wenn es darum geht, welches Buch ich als nächstes lesen soll. 
Ich bin auf Zuspruch diverser Freunde angewiesen, ich könnte weinen, wenn ich an die eigentliche Trauung denke und überhaupt wird alles wunderschön katastrophal mit einem Touch eleganter Tollpatschigkeit. 
Diese ganze Geschichte artet aus. Jetzt weiß ich, wie sich Elefanten fühlen müssen und warum Menschen nur 9 Monate schwanger sind. Alles, was über 9 Monate hormonelle Schwankungen geht, ist nicht für Menschen vorgesehen. 
Obwohl ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe, möchte ich auf den Tisch hauen und sagen: "Ich bin die Braut! Kümmert euch die restlichen 10 Monate nur noch um mich und meine Belange!" Andererseits möchte ich mich verkriechen und alles alleine machen und niemandem etwas sagen oder zeigen. 
Schizophrenie im schlimmsten Grad. Mein zukünftiger ist total entspannt. Wenn die Karten eine Nuance heller sind, als geplant, ist doch nicht schlimm. Wenn die Schuhe nicht passen, kein Problem, kann man Umtauschen. 
Wie kann man so tiefenentspannt sein? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, er ist an der ganzen Hochzeit gar nicht beteiligt. 
Aber wenn ich so in meiner Hochzeitsgruppe lese, ist das ganze Heiraten wirklich meist nur "Frauensache". Dabei hat ER mich doch gefragt, nicht umgekehrt. 
Natürlich steigere ich mich zu sehr rein, natürlich übertreibe ich. Das weiß ich selber. Aber ich heirate zum letzten Mal in meinem Leben. Es muss alles stimmig sein. Und es muss alles perfekt sein. 
Letzten Endes bin ich eine Frau wie jede andere auch. (M)ein perfekter Tag. Nur für mich. 

Montag, 8. August 2016

Urlaub buchstabiert sich H - A - U - S - H - A - L - T

Endlich ist es soweit. Der Moment, auf den ich wochenlang hingearbeitet habe, ist da. URLAUB! Drei Wochen Erholung, Entspannen und es sich richtig gut gehen lassen. 
In meinem speziellen Fall sieht das folgendermaßen aus: Endlich die Hochzeitsplanung voranbringen. Endlich die Hausarbeiten erledigen, die liegen geblieben sind, weil ich zu viel arbeite. Endlich Zeit mit dem Kind verbringen. Wobei letzteres erst in einer Woche funktioniert, da er mit dem Papa im Urlaub ist. Ich bin also eine "Strohmama". Das ist mir auch lieber, als eine "Helikopter-Mama". Obwohl ich mich frage, ob alles gut geht, nichts passiert, der kleine gesund wieder kommt und überhaupt ist meine Erziehung sowieso besser. Den Zusammenhang verstehe ich selber nicht. Nur mein Kopf und der ist nicht mitteilungsbedürftig. 
Die Planungen für die Hochzeit belaufen sich auf DJ und Fotografin buchen. Auch möchte ich langsam mal mit der Tischdeko beginnen und den Karten. Die nächste Zeit, um das zu basteln, wird erst im Weihnachtsurlaub sein. Dann sind es nur noch 6 Monate bis zur Hochzeit. 
Mein erster Urlaubstag begann übrigens damit, dass ich um kurz nach 7 Uhr vom Lärm der Baustelle vor meiner Straße geweckt wurde. Natürlich könnte ich die Fenster schließen. Ersticke ich lieber oder werde ich geweckt? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich heute. Mir kommt auch die Erkenntnis, dass Baustellen-Lärm sich super als Klingelton für den Wecker eignen würde. 
Es ist jetzt 09:00 Uhr und ich hinke meinem Zeitplan etwas hinterher. Eigentlich wollte ich jetzt voller Tatendrang meine Fenster putzen. Was ich in dieser Woche erledigen kann, muss gemacht werden, denn dann habe ich wirklich Urlaub. Zwar mit Sohn, aber auch das nenne ich mal ganz frech Urlaub. 
Der Keller muss ausgemistet werden, die Regale abgestaubt, neu eingeräumt und ansonsten einfach grundgereinigt werden. Mein Frühjahrsputz beginnt eben erst im August dieses Jahr. Fällt bei dem Wetter aber gar nicht auf. 
Ganz übertrieben vorschnell habe ich mir gestern 8 Bücher bestellt. Das war so, als wenn man hungrig einkaufen geht. Man kauft einfach, auch wenn man weiß, dass man nicht alle schafft. Wenn ich Glück habe, ein oder zwei. Das Tolle an Büchern im Vergleich zu Lebensmitteln - sie gehen nicht kaputt. 
Mein Verlobter (es klingt immer noch so seltsam ungewohnt) hat auch ab nächster Woche Urlaub. Aber richtigen. Nicht so, wie ich. Doch meine Motivation mag nicht. Und man soll auf sein Inneres hören. 

Die nächsten Tage werden wir sehen, ob Erholung überbewertet wird, ich mich total wahnsinnig bezüglich meines Zeitplans mache oder einfach mal genießen kann. 

Sonntag, 12. Juni 2016

Ende und Punkt

Der 31. Mai 2016 kam immer näher. Für uns ein besonderes Datum. Denn der Höllennachbar hatte bis abends 18 Uhr Zeit, seine Wohnung zu räumen. 
Natürlich machte er keinerlei Anstalten, dies zu tun. 
Aber da wir ihm alle einen gebührenden Abschied bereiten wollten, geschah folgendes:

Am frühen Vormittag, die Zeit zeigte ca 10 Uhr, nahmen sich folgende Personen Zeit, diesen Abschied gebührend zu begleiten: zwei Streifenwagen der Polizei in Zivil, ein Krankenwagen, eine Richterin und eine Dame vom Jugendamt. 
Natürlich waren auch die Nachbarn geladen, denn nach einem Jahr intensiven zusammenlebens, wollten auch wir ihn Auf-Nimmer-Wiedersehen heißen. 

In einer ruhigen Prozession gingen wir alle hinauf in die Wohnung. Sachte wurde mit starkem Klopfen an die Tür geschlagen, schließlich wollten wir sichergehen, dass er von seiner Matratze fällt und sich ordentlich erschrickt. Natürlich eilte er sofort herbei, um uns nicht die Tür zu öffnen. Somit blieb der Polizei nichts anderes übrig, als ihre speziellen Moves auszuprobieren, die sie gelernt hatten, um eine Tür zu öffnen. Dass die Tür nur angelehnt war, da sie so kaputt war, um eingebaut zu sein, machte die Sache sehr einfach. 

Es gab Geschrei, Erklärungen seitens Richter und Jugendamt, eine kurze Kappelei und der Nachbar wurde in Handschellen abgeführt. Im Hof standen wir unter klatschen und rufen Spalier. Die Stimmung glich einer Hochzeit: Glücksgefühle, manch Träne, Freude, schönes Wetter. Das hätte niemand besser malen können. 

Es ging mit dem KTW in die psychiatrische Klinik. 
Das Aufgebot war noch nicht einmal richtig abgefahren, gingen wir nach oben, um auch seiner Freundin "Auf Wiedersehen" zu sagen. Wir haben sie wie ein wütender Mob damals Dracula, sie hinausgejagt. Leider hatten wir keine Mistgabeln oder Fackeln zur Hand. Wäre auch blöd gewesen, wenn wir selbst unsere Wohnungen angefackelt hätten. 

Sie ging unter Tränen. Immerhin war sie immer das arme Opfer! (Allerdings wissen alle die Wahrheit. Sie steht ihrem Partner in nichts nach.)

Als sie so von dannen zog mit ihrem Gepäck, strömten wir in alle Richtungen aus, um Werkzeug zu beschaffen - das Eingangsschloss musste ausgetauscht werden. 

Allein die Ersatzschlüssel, da unser Nachbar einige verloren hatten, kosteten die Vermieterin um die 150 Euro. Und typisch deutsch, wollen wir einfach unter uns sein, niemanden hereinlassen und sicher gehen, dass auch wirklich kein Mensch auf die Idee kommt, einen gefundenen Schlüssel auszuprobieren. In erster Linie Freunde der beiden, bei denen sie noch Schulden oder eine Rechnung offen hatten. 

Am Nachmittag kam noch einmal die Polizei vorbei, um die Freude mit uns zu teilen. Naja, eigentlich haben sie ihn gesucht, da er aus der psychiatrischen Klinik ausgebrochen ist. Wir haben der Polizei versichert, dass wir ihn ganz sicher NIE WIEDER bei uns ins Haus lassen und wir sofort anrufen, wenn wir ihn sehen. 

Im letzten Jahr habe ich beinahe mehr mit der Polizei als mit meinen Freundinnen telefoniert. Das sagt viel aus. 


Er ist jetzt seit 2 Wochen knapp weg. Und ich genieße es, durch zu schlafen, keinen Lärm über mir zu haben und meinem Sohn nicht dauern erklären zu müssen, warum es Menschen gibt, die einfach nur unmöglich sind. 

Samstag, 7. Mai 2016

Tage der Eltern

Ich finde es wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich Vater und Mutter die jeweils besonderen Tage verbringen. 
Der Papa von meinem Zwerg hat zum Grillen geladen. Allerdings nur meinen jetzigen 3 nE, keine Frauen. Wie komme ich auf so eine dreiste Idee!? Und als ich ihn gefragt habe, ob er das Kind mitnehmen will, hat er mich so entsetzt angeguckt, als hätte ich ihm vorgeschlagen, selbstständig eine OP am offenen Herzen bei vollem Bewusstsein bei ihm durchzuführen. 
Gegen 22:30 Uhr kam 3 nE dann betrunken nach Hause. Aber das ist natürlich nichts außergewöhnliches. Bei vielen Männern und Jugendlichen die draußen unterwegs waren und Vatertag gefeiert haben, kann man froh sein, wenn diese überhaupt grob wissen, wie ein Kind aussieht. Oder vielleicht feiern auch einige bereits Vatertag, obwohl sie noch gar nicht wissen, wie der letzte Discobesuch ausgegangen ist. Vorfeiern ist bekanntlich das schönste Feiern. 
Nun möchte ich mich dem Brauchtum etwas genauer widmen. 
Die Sache mit dem Bollerwagen leuchtet mir ein. Das Bier muss transportiert werden oder auch der betrunkene Kumpel. Außerdem eignet das Teil sich super als Übung für das spätere Kinderwagen schieben. 
Die Geschichte mit dem Bier... Dieses Jahr besonders exzessiv, da das Reinheitsgebot Jubiläum hat. Bestimmt war das der Grund. Hoffentlich. Vielleicht. Eher nein. Männer brauchen Beweggründe, um Bier zu trinken: Das Fussballspiel, die Geburtstagsfeier, Weihnachten, Stress, Feierabend, jegliche Art von allem. Mich wundert es, dass kein Mann sich denkt: "Ich muss auf die Toilette, Zeit für ein Bier!" Dass das Bier in Bayern als Grundnahrungsmittel zählt, ist natürlich auch eine wunderbare Ausrede. 
Am Vatertag gilt jedoch Quantität vor Qualität. Es wird mindestens ein Kasten der billigsten Plörre gekauft und lustig des Weges gezogen und getrunken. Verständlicherweise soll man beim Sport auch viel trinken. Und da Bier zu sehr viel Prozent aus Wasser besteht, leuchtet es ein, dieses isotonische Getränk als Ausgleich zum kilometerlangen Marsch quer durch die Weltgeschichte zu sich zu nehmen. Kilometerlang allerdings hauptsächlich, wenn sich nach 500 Metern der Kasten bereits zur Hälfte geleert hat und man sehr kurvig seines Weges geht. Insgesamt werden so an die 3000 Meter für eine 200-Meter-Strecke gegangen. 
Nicht zu vergessen, dass Vatertag auch der einzige Tag im Jahr ist, an dem Man(n) seine Kumpels wieder sieht, neben Weihnachten, Geburtstagen, Grillabenden, Fussballspielen etc. Das muss auch gefeiert werden. 
Ganz wichtig ist auch, dass man laut und sinnloses durch die Gegen gröhlt. Bei Hirschen mag diese Art des Balzens funktionieren, bei betrunkenen Männer eher weniger. Das hat ihnen nur noch keiner gesagt. 
Und falls es doch funktionieren sollte, gibt es vielleicht im nächsten Jahr einen wirklichen Grund, Vatertag zu feiern. 

Frauen begehen ebenso exzessiv diesen Feiertag. Es wird die Wohnung geputzt, Blumen gekauft, diverse Geschenke, schließlich erwartet man Besuch oder geht besuchen. Man ist nicht nur Mutter, sondern man hat auch eine Mutter, Schwiegermutter, Oma etc. Allen soll Dank gezollt werden! Das Tolle daran ist, dass das ganze bereits ein oder zwei Tage vorher beginnt, da sich so eine Wohnung nicht von alleine putzt. Außerdem ist es meist so, dass das Wetter wirklich schön wird, also brauchen auch die Fenster ihre Grundreinigung. Und auch das passiert nicht von alleine. Der Kuchen wird Sonntag morgens auf die schnelle gebacken. Sehr beliebt ist Erdbeerkuchen, da diese Früchte einem zu diesem Zeitpunkt preislich fast hinterher geworfen werden. Der Blumenstrauß ist natürlich ein in mühevoller Kleinstarbeit ausgesuchtes Kunstwerk vom Blumenladen. Es kommt eben doch auf die Größe an!
Aber beginnen wir am Morgen. Die Mutter steht bereits um 5 Uhr auf, weckt niemanden, um den Kuchen vorzubereiten. Anschließend legt sie sich wieder ins Bett und wartet darauf, von ihren Kindern geweckt zu werden. Diese haben die halbe Nacht vorher damit verbracht, ein wunderbares Geschenk zu basteln. Dass das Kinderzimmer schlimmer aussieht als Nürnberg ´45, ist zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Irgendwann steht Papa auf, natürlich unglaublich vorsichtig, um die schlafende Mami nicht zu wecken. Das Kind ist bereits wach und hat so eine Vorfreude, was die Mutter zu dem Geschenk sagen wird, dass es eigentlich nicht warten möchte, bis sie alleine aufwacht. Aber als pflichtbewusster Papa sorgt er natürlich dafür, dass das Kind die Mama ausschlafen lässt. 
Währenddessen sorgt er für ein leckeres Frühstück. Die angeblich schlafende Mutter betet währenddessen, nicht die Feuerwehr holen zu müssen, da die Flüche und Gerüche aus der Küche schlimmes erahnen lassen. Das Kind wurde vor dem Fernseher/Laptop/Ipad/Handy geparkt, denn da geht es am wenigsten auf den Geist. 
Um 07:30 Uhr ist es dann soweit. Als Mutter hat man um diese Zeit natürlich längst ausgeschlafen. Für den Vater am Tag nach Vatertag gilt natürlich 14 Uhr als Ausschlafzeitpunkt. 
Das Kind stürmt mit Papa, Frühstück und Geschenk das Bett. Die Mama ist total überrascht: Keiner hat Muttertag vergessen, an einem Tag im Jahr ist sie die Königin! Immerhin bis 09:00 Uhr, denn da ist das Frühstück beendet. Der starke Kaffee sorgt für die erste kleine Herzattacke. Es werden aber noch mehr kommen, die in Stärke und Intensität zu nehmen. Danach schmeckt der verbrannte Toast mit der Nicht-Lieblings-Marmelade dennoch sehr gut. Das noch rohe Rührei wird genüsslich verspeist und Mann und Sohn werden für diese außerordentliche Heldentat mehr als nur einmal gelobt. Schließlich gucken auch beide wie Hundebabys, die darauf warten, endlich mit dem Ball spielen zu dürfen. 
Jetzt kommt der Höhepunkt: Das Geschenk. Der Vater hat ganze 5 Minuten an der Tankstelle den Abend davor verbracht, um trotz Kater von Vatertag, den erstbesten Blumenstrauss für 2,99 €  zu kaufen. Die mittlerweile etwas vertrockneten und zerknitterten Blumen werden so herzallerliebst betrachtet, als hätte man ein Baby im Arm. (Merke: Bei nächster Gelegenheit dem Mann mitteillen, dass der Kleiderschrank nun wirklich nicht die beste Aufbewahrung ist.) 
Ein liebevoll in 10 Meter Geschenkpapier und drei Rollen Tesafilm verpacktes Geschenk des Kindes wird nun ausgepackt. Nach innerlichen Flüchen, dem charmanten Dauergrinsen im Gesicht und drei abgebrochenen Fingernägeln später, hält man einen unförmigen Klumpen Ton in schrillen Farben (Nina Haagen ist wirklich dezent dagegen) bemalten in der Hand. Das Was-auch-immer-es-sein-mag wird größte Beachtung geschenkt. Nicht zu vergessen, das wiederholende Lob alle 5 Sekunden. Eine geübte Mutter vergießt hierbei auch noch das ein oder andere Tränchen und überschüttet das Kind mit so vielen Küssen, dass es nicht mal nach zwei Stunden Baden sauberer wäre. 
Das Geschenk ist das Beste, Schönste, Unglaublichste, was man jemals in der Hand gehalten hat! Das soll/muss das Kind spüren. Und darin ist die Mutter begabt. Man kann hier durchaus sagen, sie ist talentiert dafür, Mami zu sein.
Nach diesen 45 Minuten des wohlwollens ist der Muttertag für einen selbst bereits zu Ende. Die Küche muss geputzt werden, das Kinderzimmer, die Wohnung. Besuche stehen an, weitere Geschenke verteilen. 

Und trotzdem ist es so, dass dieser Tag für jede Mutter besonders ist. Man regt sich nicht über den ganzen Stress oder die Sauerei auf. Und wenn man viele Jahre später die Tontasse in der Hand hält, kann man sich noch genau an die strahlenden Kinderaugen erinnern. In diesem Moment weiß man ganz genau, dass man die Beste Mutter der Welt ist und an Muttertag ein riesiges "Danke" bekommt. Das hilft einem, das ganze folgende Jahr bis zum nächsten Muttertag durchzuhalten und über viele kleine Ärgernisse hinwegzusehen. 

Mittwoch, 4. Mai 2016

Lebens-Eintopf

Es ist weltweit bekannt, dass ich nicht kochen kann. Mein Lebens-Eintopf ist demnach aus super gelungen.
Es ging los mit einem Fond. Der Fond scheint mit das wichtigste zu sein. Der ist gut. Der Fond bin ich, so wie ich mich gebe, verhalte, was ich alles tue. Und der ist wirklich genial. Selbst der Henssler würde das neidisch werden. Und je länger er ziehen kann, desto lockerer schmeckt er.
Dazu kamen aber im Laufe des Lebens noch eine Reihe von Zutaten. Zuerst meine Jugend in Form von Gemüse. Einiges verfault, manches exotische, aber eine Grundlage, die noch nicht ganz den Eintopf verkorkst.
Mit Beginn der 20er kamen Kartoffeln dazu. Aber nicht die äußerst vorzüglichen genmanipulierten Speisekartoffeln, sondern vermehrt mehlige. Die, die eigentlich nur dazu da sind, um da zu sein. Ihr merkt, so ganz lecker wird der Eintopf nicht.
Mit Geburt meines Sohnes wurde der Eintopf aber wesentlich besser. Eine ganze Vielfalt an Gewürzen und Geschmacksverstärkern machten eine ziemlich passable Brühe aus der Geschichte. Doch je mehr Fehlschläge mit dazu kamen, desto versalzener wurde die Suppe. Man sagt, der Koch sei verliebt, wenn etwas versalzen ist. Bei mir symbolisiert das eher die Hassliebe zwischen mir und dem Leben.
Das Haar in der Suppe, welches man vielleicht mal merkt, aber nicht unbedingt, gibt es natürlich auch. Ich merke das Haar in der Suppe dann, wenn ich mir etwas vornehme und es dann auf Grund einer winzigen haarkleinen Kleinigkeit doch nicht klappt.
Mit Beginn meiner Beziehung zu 3 nE wurde die Sache noch einmal durchgemischt bzw buchstäblich durchgemixt.

Dadurch habe ich am heutigen Tag einen superleckeren Eintopf, zwar mit einer Spur Bitterkeit, aber genießbar. Es ist kein Einheitsbrei. Das wird es auch niemals. Tagtäglich kommen neue Zutaten hinzu. Anbrennen wird nichts, ständig ist die Brühe in Bewegung. Man muss keine perfekte Köchin sein, um sein Leben zu schmackhaft machen zu können. Ich bin der beste Beweis.

Freitag, 22. April 2016

Glückspech

Meine Rettungssanitäter-Ausbildung ist gesichert. Im August kann ich anfangen, dann habe ich innerhalb von ca. 9 Monaten meinen RS beendet. Im August sind 4 Wochen Grundlehrgang. Ich freue mich so drauf! Aber halt, da kann doch was nicht stimmen. Bine hat Glück? Und da sind wir auch schon am Kern der Geschichte. Natürlich klappt das nicht im August. 

Mein Plan hätte folgendermaßen ausgesehen: 

Juni Ausbildung 1 zum San-Ausbilder
August RS-Lehrgang
Sep./Okt. Ausbildung 2 zum San-Ausbilder
Dezember Truppführer
Jan.-Dez . ´17 Fachwirt

Jetzt funktioniert nichts mehr. Mir fehlt ein Tag im August, der erste Lehrgangstag. Meine Kollegin wäre alleine in der Arbeit und das geht nicht, wegen der Sprechstunde. Natürlich verstehe ich das, aber es ärgert mich! Es hätte so gut laufen können. Selber schuld, wenn man sich Gedanken macht, einen Plan aufstellt und sich auf etwas freut. Das zeigt mir mal wieder, dass ich ein Stein sein muss. Wirklich ärgerlich. Jetzt sehe ich mich dann hin und schaue, wie ich das unter einen Hut bekomme. 
Das interessante ist, dass nicht einmal mein Sohn "schuld" ist, dass das nicht klappt. So wirklich weniger Zeit hätte ich trotzdem nicht für ihn. Wo wir wieder beim Thema sind, dass sich Kind und Arbeit gut verbinden lassen. Nur Arbeit in einer kleinen Praxis und Ehrenamt vertragen sich nicht. Aber ich muss das jetzt so nehmen, wie es ist. Mal sehen, wie es funktionieren könnte. Sonst mache ich den RS nächstes Jahr im August. Schade. 

Aus der Sicht meines Pferdes

Ich habe eine Reitbeteiligung seit nunmehr 9 Monaten. Die große heißt Tinkebell. Wer jetzt eine Elfe vermutet, liegt falsch. Sie stolpert gerne, ärgert mich, erschrickt manchmal vor kleinsten Dingen - sie ist genauso, wie ich. Deswegen passen wir gut zusammen. Gestern waren wir mal wieder im Gelände ausreiten. Und sagen wir es mal so, ihre Frühlingsgefühle sind erwacht. 

Heute ist ein wunderschöner Tag. Ich stehe auf dem Paddock und blicke über "mein Reich". Ich verstehe nur nicht, warum ich nicht endlich auf die Weide darf um das leckere Gras zu fressen! Das wird doch nur kaputt. Wer ruft mich denn da? Oh, das ist die blonde und wieder mit pinkem Pullover und der braunen Reithose. Sie hat scheinbar nichts anderes zum anziehen. Armes Ding. Ich habe zig Schabracken in allen Farben und Varianten! Da ist sie bestimmt neidisch. Aber jetzt muss ich schnell sehnsüchtig auf das Gras gucken, vielleicht öffnet sie endlich den sinnlosen Zaun und ich kann grasen. 
Nein, sie macht mir die Trense dran und zieht mich hinter sich her. Aber ich bin lieb, meistens bekomme ich ein Leckerli von ihr, also gehe ich mal mit. Doch ich gucke ganz missmutig. Das hat sie davon. 
Jetzt stellt sie mich in den Unterstand in den Schatten. Kann man das verstehen? Endlich Sonne und sie will in den Schatten. Naja, vielleicht hat sie Angst vor der Sonne? Der Pullover in pink sieht eigentlich ganz lecker aus, ich könnte daran mal knabbern... Sie schimpft mich: "Nein, Tinki, den kann man nicht essen!" Das kann sie doch gar nicht wissen! 
So, aufgesattelt wird. Scheinbar gehen wir reiten. Dazu habe ich aber so gar keine Lust. Mit sehr langsamen Schritten trotte ich los. Natürlich nicht, ohne ab und an einen Blick auf das leckere Gras zu werfen. Sie lässt die Zügel locker, das ist meine Chance! Kopf runter und losfressen. Schnell schnappe ich mir zwei Bissen, denn schon zieht sie meinen Kopf wieder hoch und will weiter laufen. 
Jetzt muss ich mir Gedanken machen, wie ich das am Besten anstelle. Sie ist sowieso abgelenkt, da ihr Hund dabei ist und der auch nicht hört, den muss sie dauernd rufen. Hunde sind komisch. Was macht man denn mit denen? Sie kann auf dem doch gar nicht reiten! So klein und schmächtig wie der ist. Ich bin eine stattliche Stute! Mit meinem glänzenden hellbraunen Fell sehe ich wunderschön aus! Vielleicht geht sie deswegen mit mir raus, damit mich andere sehen können und neidisch werden! Daran habe ich gar noch nicht gedacht. Mit hoch erhobenem Kopf und schönen großen Schritten laufe ich jetzt in einem normalen Tempo. Aber was ist das? Ein Auto? Daneben eine Wiese mit Gras!!! Ein Hüpfer nach vorne, zur Seite und Kopf runter! Geschafft. Jetzt ist sie aber erschrocken. Ich merke dass, weil sie sich anspannt und im ersten Moment gar nicht weiß, was passiert ist. Und sie spricht mit dieser ängstlichen Stimme: "Tinki, das war doch nur ein Auto, davon hast du schon mehr als genug gesehen." Meinen Plan hat sie nicht durchschaut. Es scheint zu funktionieren. Mit ihren ungelenken Füßen tippt sie in meine Seite und wir laufen weiter. Nicht, weil sie es will, sondern ich. Das Gras hat hier nicht so gut geschmeckt. 
An der Gabelung zum Wald dann eine neue Chance. Die Blätter bewegen sich so komisch. Viel zu komisch, ich muss hier weg! zwei Hüpfer nach vorne, zur Seite ausweichen, rückwärts laufen, volles Programm. Und Kopf runter. Geschafft. So ganz sicher fühlt sie sich heute nicht. Finde ich schade, ich tue ihr doch nichts. "Tinki, so geht das nicht! Komm, weiter! Wir wollen heute ein bisschen galoppieren." Meinen Kopf reiße ich hoch, als ich das höre! Oh wie schön, wir gehen zu meiner Lieblings-Galopp-Strecke! Jetzt sehe ich das erst. Vor lauter Plänen, wie ich zum Gras komme, ist mir das gar nicht aufgefallen. Ab sofort wird es Zeit, deutlich schneller zu gehen. Aber da sie schon nervös ist, fange ich mal ein bisschen das stolpern an. Da vorne kommt eine kleine Wurzel, da beginne ich - zack - sie wackelt! Fällt aber nicht herunter. Ihr Gleichgewichtssinn wird besser. Sie will einfach nicht verstehen, dass ich das mit Absicht mache, damit sie was lernt! Meine Besitzerin sagt doch immer: "Von Tinkerbell kannst du viel lernen, danach kannst du reiten!" Jetzt mache ich das und sie beschwert sich. Ein Ackergaul sei ich, ein Trampeltier. DAS lasse ich mir nicht gefallen! Erschrecken vor einem Baum - zack - Kopf runter. Hier schmeckt das Gras schon viel besser. Sie wird langsam sauer und tippt mich ärger in die Seite. Das ist so putzig. Heute soll sie auch noch Durchsetzungsvermögen lernen. Ich bewege mich also erst einmal nicht, fresse aber deutlich schneller, wer weiß, wann ich wieder so eine Chance bekomme. Gut, laufen wir weiter. Jetzt möchte sie noch schneller sein, also traben wir ein bisschen. Beim Traben ist das so: Da wir über Wurzeln und Äste traben, habe ich hier die Besten Möglichkeiten ihr so viel über das Gleichgewicht beizubringen! Besonders viel Spaß macht es mir, wenn ich meinen Kopf nach oben oder unten reiße und so tue, als würde ich die Hindernisse nicht erkennen, dann kommt sie ganz schön ins straucheln da oben. Ähmmm. So war das nicht gemeint. Ich möchte ihr nur etwas lernen! Wirklich! Was sehe ich denn da vorne? Das ist tatsächlich meine Galopp-Strecke! Es darf doch nicht wahr sein! So, anspannen, bereit machen und schneller werden. Aber jetzt bremst sie mich wieder da oben. Das ist nicht fair! Ich bin ein Arbeitstier, ich möchte ausgelastet werden! Und ich möchte meinen Spaß! Sie macht es sich einfach, sitzt da oben, sieht nicht einmal so gut dabei aus und ich habe die ganze Arbeit. Nie darf ich Spaß haben. Aber nicht mit mir. Jetzt gebe ich Gas. Das passt ihr gar nicht. Die hält sich gut im Sattel. Da vorne hängen Äste in den Weg. Da muss sie jetzt durch! Wenn ich sie verliere, dann kann ich rennen, so schnell ich will. Augen zu und durch! 
Augen wieder auf, sie sitzt immer noch auf mir, beschwert sich aber und lacht auch noch dabei. Sie LACHT?! Was soll das denn? Eigentlich bin ich selber schuld, schließlich lerne ich ihr das mit dem Gleichgewicht. Über die gesamte Situation mit ihr muss ich später in Ruhe nachdenken. Toll, jetzt machen wir wieder langsam. Ich will aber nicht! Ein bisschen angaloppieren? Nein? Das möchte sie nicht. Erst soll ich, dann wieder nicht. sie ist sich sehr unschlüssig. Menschen sind komisch. Wenn ich etwas möchte, ziehe ich das auch durch. Fressen und Schlafen, auf meiner Koppel galoppieren, und alles der Reihe nach. Nicht mal so und dann doch wieder anders und überhaupt keine Ahnung, was ich eigentlich tun soll. Die da oben ist aber schon eine ganz besondere Art. Nochmal angaloppieren, vielleicht will sie ja jetzt. Nein, möchte sie nicht. Ich füge mich meinem Schicksal. Was ist denn das? Ein Baumstamm - rückwärts gehen, Sprung nach vorne, zur Seite - zack -Kopf runter und fressen. Richtig sauer ist sie jetzt! Oh oh. Ich habe es übertrieben. Aber guck doch mal das leckere frische Gras an! Doch was höre ich? "Gleich Tinkerbell, da vorne machen wir Pause und du darfst grasen." 
Das ist Musik in meinen Ohren! Ab jetzt bin ich ein Traumpferd. Ich laufe so, wie sie es möchte, auch wenn sie sich nicht sicher ist, wie schnell oder langsam das sein soll, halte meinen Kopf wunderschön (Sie versucht das schon seit fast einer Stunde, aber da sehe ich nicht so viel), stolpere nicht mehr - nagut, einmal oder zweimal noch, weil es so lustig - ähhh für sie wichtig ist. Zum Lernen!

Endlich darf ich grasen. Yammi, das Gras ist perfekt. Sie streichelt mich und lobt mich ganz toll. Das Gras ist so unglaublich lecker an dieser Stelle! Warum probiert sie das nicht einmal! Wenn sie auf den Geschmack kommt, müssten wir vielleicht gar nicht mehr reiten, sondern könnten zusammen auf der Koppel stehen und Gras fressen. 

Den Rückweg mache ich ihr nicht so einfach. Jetzt bin ich warmgelaufen, durch das Gras voller Energie und möchte rennen! Da ich sie aber belohnen möchte, für das tolle, leckere Gras, tänzel ich nur zurück. Kein Erschrecken mehr, kein stolpern. Das tänzeln ist für sie aber sehr anstrengend, weil sie mich immer bremsen möchte. Wenn sie danach so kaputt ist, möchte sie vielleicht nicht mehr ausreiten und wir können gleich grasen. Das hört sich nach dem neuen ultimativen Plan an! Da vorne sehe ich meinen Stall. Jetzt gehe ich schön brav Schritt, die anderen sollen sie das oben schließlich nicht auslachen, wenn sie sehen, dass ich ihr nicht "gehorche". Sonst darf sie vielleicht nie mehr kommen. Und das wäre schade. Denn trotz ihrer mangelnden Fähigkeiten im Reiten, die ich durch meine Großmütigkeit ausgleiche, habe ich sie wirklich gern. Heute darf sie sogar mit mir kuscheln, obwohl ich kein Kuscheltier bin. 

Das war ein wunderschöner Nachmittag. 

Mittwoch, 6. April 2016

Leben tauschen?

Letzte Woche war ich im Urlaub! Das war toll und schön erholsam. Mein Sohn hatte beim Wandern richtig viel Spaß, der Hund war ausgelastet und ich hatte vollkommen meine Ruhe. 5 Tage, in denen ich mich erholen konnte. Doch als ich am Freitag heim kam, ging es gleich schon wieder los und die Erholung war futsch. 

Am Samstag fand die Theorie-Prüfung für den Sanitäts-Grundlehrgang statt. Also musste ich abends bis nach Mitternacht Tests kontrollieren. Hier ein paar Beispiele meiner angehenden Sanis:

Bauchorgane: Mund, Speiseröhre ...
Aufsteigender, querliegender, absteigender Zwölffingerdarm. 
Schmerzen re. Unterbauch: Gallensteine durch Gallenflüssigkeit

Ich wusste nicht, ob ich weinen soll oder Wein trinken... Bestanden haben bis auf zwei alle. Am Sonntag gab es noch die praktische Prüfung. Dort kamen alle durch, auch wenn es bei einigen sehr knapp war. 

Interessant war das Gespräch mit dem Chef-Ausbilder. Es gibt einige, die es nicht für gut halten, wenn ich Ausbilderin werde. Eigentlich halten die es für den größten Schwachsinn, so jemanden wie mich da vorne hinzustellen. Die Ausbildungsleiter halten natürlich zu mir. Und es kam auch folgendes auf: Ob die überhaupt wüssten, dass ich allein erziehende Mutter sei. Da ist man nicht so flexibel und ich musste auch schon Termine absagen... Also ganz ehrlich. Solange ich mit dem Laden kein Geld verdiene, braucht sich keiner beschweren, dass ich nicht jedes Wochenende auf irgendwelchen Sanitätsdiensten rumhänge. Ja, ich bin dort so ziemlich die einzige mit Kind. Dafür brauche ich dennoch keine Vorwürfe. Und rechtfertigen muss ich mich auch nicht. Bei mir wird sich hintenrum beschwert. Keiner hat den "Popo in der Hose", um mir das persönlich zu sagen. Das finde ich am Traurigsten. 

Es gab mal wieder Ärger mit meinem Exmann. Dieser ist der Meinung, ich vertrödele nur meine Zeit und kümmere mich um nichts. Wie kam es dazu? Ich weigerte mich, die offenen Kindergarten-Gebühren zu zahlen, weil ich mir von meinem Geld ein neues Sofa und den Urlaub gegönnt habe. Ich gehe Vollzeit arbeiten, habe fast nie ein freies Wochenende und brauche auch mal Zeit zur Erholung. Das ist sowas von Dreist und gemein von mir! Schließlich habe ich die opulente 2-Zimmer-Wohnung und er nur das Haus mit Garten. Meine Jobs, die ich hobbymäßig mache, weil man nicht genug verdient, sind nichts im Vergleich zu der Tatsache, dass er krankheitsbedingt seinen alten Beruf nicht mehr ausüben kann und momentan Unterstützung vom Amt erhält. Immerhin hat er nur wesentlich mehr Geld als ich zur Verfügung, da kann man nicht verlangen, so etwas sinnfreies wie den Kindergarten zu bezahlen. Schuld bin ich auch an der Tatsache, nicht rechtzeitig die Kontonummer vom KiGa an ihn weitergegeben zu haben, da er Gabor in dieser Woche jeden Tag gebracht und abgeholt hat. Wenn ich so darüber nachdenke kann ich durchaus verstehen, welches "Problem" viele mit mir und meiner Art haben. Freundlich und Hilfsbereit sind nur zwei der sieben Todsünden, die auf mich zutreffen. 

Donnerstag, 24. März 2016

Die Tage des Glücks

Es macht sich bei mir das Gefühl breit, dass das Glück wieder in mein Leben gekehrt ist - NICHT. 
In den letzten zwei Wochen ist wieder einiges passiert, dass mich das so empfinden lässt. 
Mein Kindergeld wurde gestrichen. Und wenn ich Pech habe, muss ich es zurück bezahlen. Warum? Weil mein Sohn bei meinem Exmann gemeldet ist und nur er der alleinige Anspruchsberechtigte für das Kindergeld ist. Nun benötige ich seine Unterschrift für einen neuen Antrag, seine Unterschrift, dass er von mir das Kindergeld bekommen hat und seine Unterschrift, dass es auf mein Konto überwiesen werden darf. Da ich und mein Ex die allerbesten Freunde sind, wäre es für mich leichter, einen Vulkan zu löschen. Fakt ist, mir fehlen 190 €. Und das die nächsten Monate. Aber durch den Nebenjob kann ich das ausgleichen. Schließlich war die Idee des Nebenjobs nicht, meine Altlasten zu bezahlen... Oder ich gehe einfach noch mehr arbeiten. Das war auch das Argument von meinem Exmann. Nur, weil er aktuell einen Teilzeit-Job hat und dementsprechend mehr Zeit, kann er wieder besonders schlau daherreden. Er kann sich dann um den Zwerg kümmern, wenn ich mehr arbeite. Meinen Sohn sehe ich dann gar nicht mehr. 

Mein Nachbar ist auch wieder einmal so ein Thema für sich. Er ist da. Allein seine bloße Anwesenheit bringt mich dazu, mir Gedanken darüber zu machen, wie ein perfektes Verbrechen aussehen könnte. In der letzten Woche waren es ca. 10 Polizeieinsätze. Als ob die nichts besseres zu tun hätten, als ständig auf Staatskosten zu uns zu kommen. Aber mehr Möglichkeiten haben wir nicht. Ich feiere den Tag, an dem ich mal wieder durchschlafen kann. Alternativ käme natürlich eine andere Wohnung in Frage. Meine Wünsche: Kinde und Tiere erlaubt, bezahlbar, evtl Balkon. Doch damit habe ich kein Glück. Keiner will uns. Ich verstehe zwar überhaupt nicht, warum kein Hund erlaubt ist, aber mehr als den Vermietern erklären, was für eine liebe Hündin ich habe, kann ich auch nicht. Sie liegt nur da, erst wenn wir rausgehen, wird gearbeitet. Sie bellt, wenn es klingelt, völlig normal für einen Hund. Da wären Katzen noch schlimmer, die können auch mal an den Scheiben und/oder Tapeten kratzen. Mein 11 Jahre alter Kater ist allerdings zufrieden, wenn er auf dem Fensterbrett liegen kann. 

Wenn der Nachbar nicht ist, dann eben 3nE und seine "Allergie". Ich habe in meinem gesamten Leben als Arzthelferin etwas vergleichbares noch nie erlebt oder gesehen. Hausarzt, Allergologe, Pulmologe haben keine Ahnung, was er hat. Natürlich hält er mich nachts auch ganz gerne wach, wenn er seine Hustenanfälle wie aus dem nichts, bekommt. 

Ich muss auch ehrlich zu euch sein. Ich habe meine Vorträge gehalten. Die, die ich halten musste, damit geprüft wird, ob ich als Ausbilderin geeignet bin. Ich habe sowohl von den Teilnehmern, als auch vom Ausbildungsleiter und vom Chefarzt eine gute zwei bekommen. Ziel mehr als erfüllt. Für mich heißt es die nächsten Monate, Lehrgänge zu absolvieren. Wenn alles klappt, bin ich Ende des Jahres Ausbilderin für Sanitäts-Grundlehrgang und Erste-Hilfe-Ausbilderin. Es gibt aber auch Neider, die mir das nicht gönnen. Die meine, nur weil sie zweimal mit mir gesprochen haben, sich ein Bild meiner Fähigkeiten zu machen. Das ist zwar in meinem Hinterkopf, aber darauf lege ich nicht so viel Wert. Ich weiß, was ich kann und werde das auch durchziehen. 
Auch möchte ich beruflich noch etwas aus mir machen. Fachwirt für ambulante medizinische Versorgung ist der Begriff. Da diese Kurse am Wochenende statt finden, bin ich da flexibel genug, um das in Angriff zu nehmen. Natürlich kostet es Zeit, natürlich habe ich allgemein betrachtet kaum noch Zeit für irgend etwas. Aber mit der richtigen Planung klappt das. 
Meine Therapeutin findet die Idee übrigens auch gut. Trotz meines Zeitmanagements. Langsam entwickle ich ein Gespür dafür, warum ich gewissen Situationen so reagiere, wie man es eigentlich nicht erwartet. Die Schwierigkeit ist die, mich selbst gut genug kennen zu lernen und die Handlungen zu analysieren. Auf jeden Fall, habe ich noch einen weiten Weg vor mir. 

Mittwoch, 9. März 2016

Was zum...

Endlich eine Woche, die ich fast schon als Urlaub bezeichnen möchte. Die nächsten 1,5 Wochen habe ich keinen Nebenjob. Und sogar ein freies Wochenende mit meinem Sohn. Gut, da kann man das Wort "frei" auch anders deuten. Wir werden raus gehen und wandern und ein bisschen die Welt entdecken. Immerhin wünscht er sich ein Mikroskop, um Bakterien zu untersuchen. Ein völlig normaler Wunsch für einen 5jährigen. Aber mein Sohn ist eben anders und das ist gut so.

Weiter muss ich noch 4 Vorträge vorbereiten. Mir fällt es schwer, mein Wissen so zu verpacken, dass Anfänger es verstehen. Aber genau dafür gehe ich bald auf einen Ausbilder-Lehrgang. Sonst klappt mein Zeitmanagement ganz gut.
Wenn nur nicht die Nachbarn wären...

Oja, sie sind wieder da. Seit 1,5 Wochen. Und präsenter denn je. Am Wochenende hatten wir 4 Polizeieinsätze, seit Montag nur noch drei. Ein Ende ist nicht in Sicht. Gerne würde ich mich an Hartz-IV-TV wenden, so verzweifelt bin ich schon. Wir beginnen mit "Mitten im Leben". Da brauchen wir kein Drehbuch, das Kamerateam muss nur einige Tage bei uns im Hof campieren. Verbinden kann man das ganze mit "Auf Streife". Eine kleine Reportage bei "Stern-TV" über die Nachbarschaftshölle, ein kleines "Bild"-Interview (Titel "Nachbarschaftshölle - Familie zerstört", "Christopher Posch kämpft für ihr Recht" kann uns bei/vor Gericht helfen und zum Abschluss noch "Die Supernanny", weil mein Sohn das ganze auch nicht unbedingt so toll verkraftet. Da könnten wir aber noch gleich "Familien im Brennpunkt" mit einbeziehen. "Aktenzeichen XY ungelöst" kommt noch mit dazu, wenn ich meine gute Stube vergesse und zum Hulk werde. Oder schlimmer. Ich werde zu der, vor der Hulk Angst hat. "Zu Hause im Glück" wird für die Wohnung der Nachbarn benötigt, denn da ist nicht mehr viel so, wie es mal war. Wenn ich dann durch diese zahlreichen Auftritte im TV endlich zu einem H-Promi geworden bin, schaffe ich es auch zu "Taff". Von dort ist es nur ein kleiner Sprung an die Spitze der Promiwelt. Mir fällt gerade auf, dass ich nur gewinnen kann. Wunderbar. Bis dahin werde ich eben nachts/morgens mehrmals wach. Für die Karriere muss man Opfer bringen.

Neues zu 3 nE und seiner mysteriösen Allergie. Nachdem wir es nicht zu "Galileo Big Pictures Mystery" damit geschafft hatten, blieb mir nichts anderes übrig, als Dr.-House-mäßig nach einer Lösung zu suchen. Ich habe auch wirklich eine grandiose Idee, die Allerdings der Hausarzt von ihm etwas zerschmettert hat. Aber ich werde an dieser Idee festhalten. Bald ist der Termin in der Fachklinik. Dann sage ich denen schon, was getestet werden soll. Die Diagnose passt zu sämtlichen Symptomen, ist allerdings mittel-selten, weshalb die Hausärztin die Idee nicht so gut findet. Auch kostet die Blutuntersuchung darauf eine ganze Menge. Noch werde ich euch nicht sagen, was ich vermute. Falls die Diagnose stimmt, wird sie hier mit einem großen "Kawumm" einschlagen und ich werde mich als Ärztin für seltene Erkrankungen selbstständig machen.

Sonst ist nur mein Kopf mal wieder ein Problem. Gedanken, die nicht aufhören wollen, negative Selbstdarstellung, herunterspielen von Problemen, der Häkel-Wahn geht wieder los. Woran das liegt, weiß ich nicht. Den genauen Zeitpunkt oder den Auslöser kann ich nicht mal mehr bestimmen. Zum Glück bin ich morgen bei meiner Psychologen. Sie muss wieder reflektieren. Das kann so nicht weitergehen. Seitdem ich bei ihr bin, merke ich das auch. Als gutes Zeichen möchte ich das aber nicht deuten. Entweder ich verfalle in eine Arzt Abhängigkeit oder sie weicht mich so auf, dass ich ein Gefühlsmensch werde. Dabei bin ich so gerne ein Stein, der nichts an sich heranlässt! Ich will nicht anders sein, ich bin toll. Das Stein-Sein macht mich zur perfekten Arzthelferin/Pflegeassistentin/Sanitäterin. Ich lasse nichts an mich heran und im Gegenzug kann ich durch diese gigantische zwischenmenschliche Distanz so genial sein im Umgang mit Patienten.
Diese Selbsterkenntnis habe ich schon gewonnen durch die Therapie. Somit habe ich diese erfolgreich beendet.

(Anmerkung: Nein meine lieben Freunde, ich gehe dort weiter schön brav hin. Versprochen.)

Sonntag, 6. März 2016

Der Teufelskreis

Endlich Wochenende. Ja, es ist Sonntag Nachmittag. Ich habe mir mein Wochenende verdient. Wirklich.
Am Freitag war ich bis 13 Uhr in der Arztpraxis, danach 1 Stunde PowerNap. Anschließend bis 21 Uhr auf Geburtstag. Danach ab 22 Uhr RTW fahren bis morgens um 5, danach von 06:30 bis 14 Uhr im Pflegeheim, dann auf Sanitäts-Lehrgang bis 16:30 Uhr. Zu Hause (der Ort, den ich nur noch aus Erinnerungen kenne), Papierkram erledigt und ab 19 Uhr bis heute morgen halb sechs geschlafen, um von 06:30 bis 14 Uhr noch einmal zu arbeiten und danach den Stall beim Pferd ausmisten.
Also habe ich mir mein Wochenende verdient.
Zu Hause habe ich zu einer Packung Chips gegriffen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich irgendwie nicht mehr ganz so gut in Form bin, wie noch vor kurzem (10 Jahren und vor der Geburt meines Sohnes.)
Vor Lauter Arbeit und Ehrenamt, komme ich auch nicht mehr zum kochen. Die einen sagen, dass sei ein Gewinn für die Menschheit, die anderen sagen nichts dazu. Also esse ich da auch nur Mist. Aber da ich mich gesund ernähren möchte, habe ich mir heute zum Essen Obst mitgenommen. (Ja, ich weiß, wie man das schreibt, wie das aussieht und das man eine Banane erst schälen muss, bevor man sie isst.) Es war echt -überraschenderweise- sehr lecker. Leider hielt das Gefühl der Sättigung nicht lange an. Also bin ich kurzerhand über die Kekse der Bewohner hergefallen. Damit habe ich denen aber nur geholfen! Einige sind auf Diät, die brauchen keine Kekse. Wirklich, das ist keine Ausrede.
Beim gucken und sinnlos posten auf Twitter sehe ich dann tatsächlich Menschen, die sowohl kochen, als auch gesunde Ernährung und Sport betreiben. Arbeiten diese Menschen auch? Irgendwas stimmt in meinem Zeitmanagement überhaupt nicht.
Nach 10 Stunden Arbeit habe ich wirklich keine Lust mehr, noch irgendeinen Hirsebrei mit trockenem Hähnchen zu kochen und das dann auch zu essen. Mag sein, dass man sich danach besser fühlt, war bei dem Obst heute genauso. Doch dauerhaft halte ich das nicht durch. Welche Alternativen außer gar nichts mehr essen, habe ich denn noch? Gut, ich neige zu Übertreibungen. "Wenn man nur will, schafft man alles."

Da fällt mir noch ein, dass ich bald anfangen muss, meine legendären Vorträge für den Sanitäts-Grundlehrgang machen muss. Darüber wird man noch in zig Jahren reden! Zumindest wünsche ich mir das. Natürlich kann ich das, aber ich möchte nicht nur gut sein, sondern perfekt. Wie immer. Blöder Perfektionismus. Das artet in Arbeit aus. Und davon habe ich so wenig.

Ich finde meinen Lebenslauf mittlerweile ganz interessant.
Als Sanitäter, kann ich Menschen in Notfall-Situationen helfen, als Arzthelferin erkenne ich Diagnosen und kann diverse Techniken zur Verbesserung des Gesundheitszustandes beitragen. Und als Pflegeassistentin komme ich auch mit älteren Patienten sehr gut klar und kann auf die Bedürfnisse eingehen. Für jeden Hypochonder bin ich somit der Jackpot. Das einzige, was noch fehlt, sind Erfahrungen aus dem Krankenhaus. Aber das kommt auch noch dazu. Wenn ich Zeit habe :-D




Dienstag, 23. Februar 2016

10 Gebote für einen Sanitäter

Heute habe ich etwas wunderbares für euch! Gefunden in einem knapp 70 Jahre alten Samariter-Büchlein. 

 

Natürlich fällt mir auch zu jedem Gebot etwas ein!
1. Das kann man so stehen lassen.
2. Ein generelles Alkoholverbot ist überholt. Ich habe gemerkt, dass ich auch "betrunken" helfen kann. So geschehen auf einem Geburtstag. 
3. Ich will aber kein Übergewicht haben. :-(
4. Leider verblüffen mich oft die Patienten. Sei es mit nicht sichtbaren Ausschlägen, eingeklemmter Nerv getarnt als Atemnot oder seit 3 Wochen Husten getarnt als Atemnot. 
5. Wer weiß das wohl besser als eine Arzthelferin!!!!
6. Nun ja. Als Sanitäter sollte es keine Situation mehr geben, in der man unüberlegt handelt. Dafür gibt es Algorithmen. Sehr viele. 
7. Dank Sagrotan ist eine Desinfektions-Dusche nicht mehr abwegig. 
8. Das Genie überblickt das Chaos. 
9. Besonders bei Kindern, die Angst haben, kommt es besonders gut an, wenn man nicht redet, sondern einfach anfängt. Beunruhigt niemanden. :-/
10. Dank vielen Bürokraten, die beinahe wöchentlich irgend ein Thema neu überarbeiten, gehen einem auch die Lern-Themen nie aus. Außerdem: Nur weil ich alles weiß und lerne, werde ich trotzdem kein Arzt :-D