Samstag, 30. Januar 2016

Der Weg wird leichter 2

Da sich auch finanziell etwas tun muss, habe ich seit letzter Woche einen Job im Pflegeheim angefangen, zur Betreuung von an demenz erkrankten Bewohner. 
Der erste Tag hat mir richtig viel Spaß gemacht und ich habe einige Patienten schon ein bisschen in mein Herz geschlossen. 
So eine Arbeit ist nicht einfach und man muss dazu geboren sein. Das kann man nicht erlernen. Zugehen auf die Betroffenen, reden, zuhören, helfen. Auch wenn es Dinge sind, die nicht sehr schön sind. 
Die meisten können laufen, fast alle trinken zu wenig und alle haben einen ständigen Bewegungsdrang. 
Ich habe mich mit den Bewohnern unterhalten, so weit das eben möglich ist. Ein Ehepaar war der Meinung, sie seien nur zu Besuch und müssten dann nach Kaffee und Plätzchen heimfahren, bevor es zu dunkel wird. Eine andere Bewohnerin hat sich in einen verheirateten Mann verguckt und will ihn und dessen Frau auseinander bringen. Eine weitere Dame ist sehr gut gekleidet und wirkt sehr gepflegt, geht nie ohne Handtasche aus ihrem Zimmer, redet aber nicht. Einer Bewohnerin habe ich versucht, genug zu trinken einzugeben. Sie trinkt nicht bei jedem und jeder Schluck erfordert viel Überredungskunst. 
Das Abendessen war auch etwas schwierig, bzw anders als auf einer offenen Station. Es dauert, bis man alle im Speiseraum hat und sie überzeugt hat, sie hinzusetzen. Sobald alle sitzen hat man ein Zeitfenster von 10-20 Sekunden, um das Essen auszugeben, sonst stehen die ersten bereits wieder auf. Denen sollte man auch zuerst die Teller hinstellen, sonst sind sie weg. Während dem Essen kann es passieren, dass Gabeln, Teller, Becher oder sonstiges durch den Raum fliegt. Kleinere Streitereien eingeschlossen. Man ist ständig dabei, etwas aufzuheben, aufzuwischen oder ein Machtwort zu sprechen. 
Nach dem Essen macht man die Bewohner langsam fertig fürs Bett. Da man natürlich keine zwanzig gleichzeitig versorgen kann, war ich für die Betreuung der restlichen im Speiseraum zuständig. Es ist schön, dass man sich Zeit nehmen kann für die Bewohner. Wäre da nicht ein Herr, der mich geärgert hat. Schuhe ausziehen, Trinken auf den Tisch spucken, mir widersprechen. Das volle Programm. 
Dennoch macht es mir Spaß. Und wenn ich von den Bewohnern ein Lächeln oder ein Danke höre, weiß ich, dass es das Richtige für mich ist. 

Oder als ich das Ehepaar überzeugt hatte, bei mir zu übernachten, statt heimzufahren. So hätten wir am nächsten Morgen noch ein bisschen Zeit, uns beim Frühstück zu unterhalten und besser kennen zu lernen. 



Leider weiß man nie genau, in welcher "Zeit" sich die Bewohner gerade befinden bzw. wo ihr Kopf gerade ist. Dennoch kann man mit ihnen lachen und Witze machen. Einfach ganz normal sprechen und unterhalten. Ohne Berührungsängste. Dass nimmt ihnen auch die Angst. Und es sind Menschen dabei, die vieles und tolles erlebt haben in ihrem Leben. Oder man merkt trotz allem, was ihnen wichtig ist. Auch wenn der 12-jährige Enkel mittlerweile eine eigene Familie hat und die Oma das eben nicht mehr weiß. Die Geschichten sind es wert, gehört zu werden. Egal ob das für die Bewohner die Gegenwart ist, obwohl sie es nicht ist. 

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