Mittwoch, 13. Januar 2016

Meine (Alp)Traumwohnung



Damit ihr euch noch ein bisschen mehr in meine wunderbare rosa-Glitzer-Glücks-Welt einfühlen könnt, erzähle ich euch heute noch eine kleine wunderbare Geschichte.
Da ich mich im September von 2 n.E. getrennt hatte (2014) und ich eine alleinerziehende Mutter bin, wollte ich mir eine neue, günstigere Wohnung suchen. Allerdings verhält sich das in unserem Ort in etwa so, als würde ich Wasser in der Wüste suchen. Selbst dabei hätte ich bessere Chancen. Per Zufall entdeckte ich eine tolle 2-Zimmer-Wohnung ohne Balkon, Garten, im 2. Obergeschoss eines traumhaften 70-Jahre-Mehrfamilienhaus. Zum Glück bekam ich von dem ehrenamtlichen Hausverwalter, der für alles zuständig (sein sollte), aber nichts kann, direkt den Zuschlag. Die Verabschiedung aus meiner 3-Zimmer-Wohnung, mit Balkon und Blick ins Grüne, netten Nachbarn und einem Keller so groß wie meine neue Wohnung, fiel mir dabei natürlich leicht. Der Blick auf weitere Mehrfamilienhäuser und ein Kindergarten direkt gegenüber sind auch einfach zu verführerisch. Also bezog ich im März 2015 diesen weitläufigen Palast mit Holzdecke Eiche Rustikal. Durch das Möbel schleppen verlor ich 2 Kilo an Gewicht. Das Treppensteigen mit Einkäufen ist eine super Fitness. Mit mir sind es insgesamt 7 Parteien, 2 davon kenne ich, einen habe ich noch nie gesehen, einer ist schwerhörig, einer ist seltsam und bei einem anderen obsiegt die Dummheit und eine ist die Tochter der Vermieterin.
Kurz darauf gingen die ersten Probleme los. Frei nach dem Motto: Wohnst du noch oder träumst du hoffentlich. Die Tochter der Vermieterin war der Ansicht, dass sie ihr Eigentum durchaus mit einem Beil bearbeiten kann. Also hat sie kurzerhand die Eingangstüre mit einem Beil bearbeitet. Die spinnenförmige Ausbreitung im Glas der Eingangstür hat sich super für die Halloween-Deko geeignet. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich die Kinder auf Grund der Deko gegruselt haben, oder doch eher über die Geschichten, die die Nachbarn fleißig erzählen. Als bald wurde die Tochter in ein hübscheres Etablissement mit 3x Essen, netten Gesprächen (Therapien) und viel Zeit zum nachdenken verfrachtet. Ich werde ihre Weckgrüße Samstag morgens um 06:30 Uhr vermissen: „3-2-1 alle aufstehen!“ Diese wurden liebevoll durch unser gesamtes Treppenhaus gebrüllt.
Mit mir zusammen ist in den Dachboden (1 Zimmer, komplett mit Holz Farbe „Eiche rustikal“ ausgekleidet, Badezimmer wird mit dem Nachbarn auf der anderen Seite geteilt) ein junger Mann eingezogen. Ich fand es schön, dass hier auch junge Leute leben, also ist das Viertel zu neudeutsch „hip und angesagt“. Endlich kommt Leben ins Haus! Und was für Leben.
Als er versuchte, Wäsche zu waschen und dabei die Waschmaschine ausgelaufen ist, war das für mich noch halbwegs in Ordnung. Gut, in meinem weiträumigen 1,2 qm Flur lief das Wasser die Wände hinab, aber das trocknet schon wieder. Kurz darauf lernte ich auch seine „On-Off-Beziehung“ kennen. Die nette 16-jährige Dame ist kurzerhand mit eingezogen. Natürlich eignen sich 20qm Wohnung für zwei Personen ohne Küche und Möbel wunderbar, da die Dachschrägen vom Boden bis zur Decke so wunderbar anzusehen sind. Durch das Muster in der Holzverkleidung fühlt man sich direkt an einen Wald erinnert. Der abgeholzt wurde. Die Bäume wurden liegengelassen und verrotten allmählich vor sich hin. Ich denke auch, dass die Temperatur im Sommer bei weit über 40 Grad liegen muss. Aber junge Menschen halten das aus. Sofern sie genug Wasser trinken. So 8 – 10 Liter pro Tag.
Ab April/Mai ging es dann so richtig mit dem Leben los. Ca. zweimal wöchentliche Polizei-Einsätze, besonders beliebt nachts, wenn andere schlafen müssen, weil sie arbeiten gehen, damit das junge Paar sich diese Wohnung überhaupt leisten kann. Auch da zeigen wir natürlich vollstes Verständnis, junge Menschen haben schließlich einen komplett anderen Schlafrhythmus. Ich werde einfach alt, wenn ich anfange mich darüber aufzuregen. Jeden Polizisten aus unserer Weltstadt kenne ich mit Namen und Dienstgrad, man wird überall freundlich gegrüßt von den Helfern, wunderbar. Es ist natürlich in keinster Weise peinlich, wenn Bekannte mitbekommen, dass man sehr viele, unglaublich viele Polizisten kennt. Wenn wir dort anrufen, um uns mal wieder über die nächtlichen Auseinandersetzungen zu beschweren, wird ausgewürfelt, wer von den diensthabenden Polizisten das große Glück hat, unsere Wohngemeinschaft zu besuchen. In den warmen Sommerwochen sind wir dazu übergegangen, uns mit Camping-Stühlen auf den Hof zu setzen und dort auf die Polizei zu warten.
Einmal kam sogar die Feuerwehr. Um präziser zu sein, 5 Autos, 25 Mann Besatzung. Die Polizei musste leider die Tür eintreten, da mein Nachbar scheinbar nicht das zaghafte Klopfen der Beamten mit der Faust gegen die Press-Span-Tür gehört hatte, die dann mitsamt Türstock in die Wohnung fiel. Auf 20qm kann man durchaus weit genug von der Tür entfernt sein, damit man das überhört. Die Feuerwehr war dafür zuständig, die Tür anschließend wieder zu versiegeln bzw ein neues Schloss einzubauen. Ich hatte mich derweil dezent aus dem Haus geschlichen und mich zu den Nachbarn und Schaulustigen gesellt, denen natürlich der Einsatz nicht verborgen blieb, zumal für die Aktion die ganze Straße gesperrt werden musste. Die Feuerwehr-Autos sind schließlich keine Smarts und brauchen mehr Parkfläche.
Mario Barth beschwert sich doch gerne über die Steuerverschwendung, womit er auch Recht hat. Aber ganz ehrlich. Berlin-Flughafen ist ein Mist gegen die Kosten, die hier seit fast einem Jahr durch die Einsätze entstanden sind, die absolut sinnlos und frei von jeglichem Verständnis sind. Auch könnte man meinen, der junge Mann mit seiner stimmgewaltigen Partnerin würden daraus lernen, aber nein. Sobald die Polizei unverrichteter Dinge wieder abzieht, dauert es keine halbe Stunde und sie schleicht sich wieder ins Haus.
Toll ist natürlich die Tatsache, dass ich seit Wochen/Monaten zwar nicht mehr richtig schlafen kann und sich der permanente Lärm ziemlich auf mein Gemüt legt, ich dadurch mittlerweile allerdings fast keine Miete mehr bezahle. Die Räumungsklage läuft auch erst seit 6 Monaten, musste eingestellt werden, weil der wunderbare Hausverwalter keinerlei Berechtigung hatte, die erforderlichen Papiere für Anwalt und Gericht zu unterzeichnen. Formfehler. Selber schuld. Aber nein, er wohnt nicht hier, ihm kann das egal sein. (Meine Vermieterin ist 83. Ein bisschen muss man sie unterstützen, ich wäre die letzte, die das nicht täte, aber scheinbar die einzig intelligente, die weiß, dass man Vollmachten braucht, wenn man mit dem Haus NICHTS zu tun hat.)
Auch wurde die Frist zum Ausziehen verschoben, da leider keine anderweitige Unterkunft mehr frei ist. Wozu hat man denn die globale Erderwärmung, wenn man den milden Winter nicht nutzen sollte, im Freien zu zelten? Ich hätte sogar passendes Equipment besorgt.
Seit zwei Tagen spitzt sich die bisherige Lage allerdings noch zu. Ihr fragt euch zu Recht: „Wie bitte? Kann es noch schlimmer kommen?“ Liebe Leser, ich bin Bine, ihr solltet mittlerweile wissen: „Ja natürlich! Jederzeit. Immer und immer schlimmer.“
Die Spider-App-Tür wurde ausgetauscht. Doch mein Nachbar fand die Türe so schön, dass er sie vor zwei Tagen noch einmal in eine Spider-Tür- verwandelt hat. Spiderman wäre neidisch auf dieses Spinnennetz. Gestern Nacht kam die Polizei um 2 Uhr. Völlig human, wenn man um 05:00 Uhr bzw 06:30 Uhr aufstehen muss. Sie wurde der Wohnung verwiesen, dann war Ruhe. Um drei Uhr dachte ich, Armageddon, 2012 und Independence Day finden alle auf einmal statt. Wieder Lärm. Sie hat sich in die Wohnung geschlichen. Es ist ja nicht so, als hätten wir das der Polizei nicht schon mehrmals mitgeteilt, oder als wüssten die nicht, dass sie nachts um 2 definitiv nicht nach Hause kommt.
Die Polizei kam erneut, klopfte an, ging durch die mittlerweile 4. Haustür in die Wohnung (die nur noch angelehnt ist. Die Vermieterin weigert sich, ihm eine neue Tür zu Verfügung zu stellen). Polizei kam raus. „Die schlafen beide.“
Ruhe äußerlich. Innerlich war ich in ungarischer Rage. Wie kackendreist ist den bitte das? Stellen die sich einfach schlafen?! Und für die Polizei ist das völlig in Ordnung. Als ob ich meinen Nachbarn mit Absicht etwas Böses möchte. Ein bekanntes Hobby von mir ist natürlich, dass ich gerne zu unmöglichen Uhrzeiten die Polizei rufe.
Auch solle ich ihn nicht aggressiv machen, sonst würden sie sich mal näher mit mir unterhalten. Und das nur, weil er mich blöd angeredet habe und ich ihn vor der Polizei aus dem Treppenhaus zerren wollte. Oder ich darf auch nicht damit drohen, auf öffentlicher Straße, dass ich ihn überfahren werde und dabei in mein Auto steigen. Wer ist hier das Opfer?
Es laufen diverse Anzeigen gegen ihn wegen Sachbeschädigung. Auch darf er in seiner Wohnung jeden einladen, wen er möchte. Ebenso kann die Polizei niemanden „einfach so“ für ein paar Tage (Erholung für uns) mitnehmen. Da er entmündigt ist und einen gerichtlichen Betreuer hat, muss alles an Schriftverkehr über den Betreuer laufen. Da dieser nur einen Mandanten hat, werden Briefe natürlich innerhalb von wenigen Stunden beantwortet. Es zieht sich in die Länge. Wie die größte Kaugummi-Kugel der Welt. Anzeigen wegen Lärmbelästigung laufen. Wir können uns nur mit Mietminderung wehren. Einmal bekam sie einen Platzverweis für 48 Stunden. Ein Karibik-Urlaub, all inclusive und kostenlos für 5 Wochen ist nichts gegen diese 48 Stunden Ruhe gewesen. Es läuft wirklich alles rechtens ab. Natürlich hätte die Polizei evtl noch ein paar Befugnisse mehr, wenn sie nur nicht so genervt wären, hier dauernd anzutanzen.

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