Donnerstag, 18. Februar 2016

Das Kartenhaus

Heute war ich im Gespräch bei meiner Therapeutin. Wir haben viel zu lachen (über mich und meine Gedanken) und verstehen uns ausgezeichnet. 
Zu meiner gestrigen Problematik: 
Sie meinte, dass sie es erstaunlich findet, woher ich die Kraft nehme, dass alles so gut zu machen und zu planen und dabei auch noch fröhlich und eigentlich glücklich zu sein. Auf der anderen Seite macht sie sich auch Sorgen, weil das Ganze sehr viel für eine Person ist. 
Ebenso meine ganzen schizophrenen Gedanken, die ich habe. Ja, sie sind zwiespältig. Es gibt zwei Teile in mir, die momentan nicht im Einklang sind. Einer, der alles machen will und muss und so unruhig ist und der andere Teil, der sagt, dass es langsam reicht und zu viel werden kann. Doch der wird unterdrückt. Ziel ist es, die Teile zusammen zu führen, beide Teile in Einklang bringen und auch die Ursache zu finden, warum das so ist. 
Das ganze klingt nach einem langen Weg. Aber es ist gut, dass ich mir Hilfe gesucht habe, weil ich mir der Gefahr deutlich bewusst bin. Ich werde keine Borderline-Störung entwickeln, keine Depression, keinen klassischen BurnOut. Aber es kann passieren, dass ich einen Zusammenbruch bekomme und mein Kopf/Gehirn einfach abschaltet und ich mich von der Außenwelt so abschotte, dass das nur eine Therapie in der Klinik richten kann. Mir fällt da momentan kein genaues Psychologisches Krankheitsbild ein, aber irgendetwas in der Richtung. Soziopath zum Beispiel. 
Andererseits ist die Aussicht auf 6, 8 oder 10 Wochen stationäre Einrichtung durchaus verlockend. Kein Handy, keine großen Verpflichtungen, nette Gespräche, ich kann neue Hobbies entdecken, vielleicht sogar das ein oder andere unbekannte Talent, welches in mir schlummert. Keine Reize von außen. In meiner momentanen Situation ist das wirklich eine schöne Alternative. 
Dieses "mehr" wonach mir dürstet (ich elaboriere gerne), kann ich auch nicht ausdrücken. Ich bin nicht zu Tode betrübt und brauche eine Therapie. Im Gegenteil. Ich mag mein Leben, meine Wohnung, meinen Partner, mein Kind, meine Tiere, meine Arbeit, meinen Nebenjob, mein Auto. Es ist perfekt so, wie es ist. 
Mehr materielles ist es nicht. Mein Lebenslauf ist vollgestopft mit tollen Sachen, die ich kann. Das ist es auch nicht. Außerdem habe ich mir den falschen Job ausgesucht, um "karrieregeil" zu sein. Aus einer Arzthelferin wird kein Arzt und aus einer Pflegeassistentin keine Heimleiterin. Das ist einfach mal so. Dem bin ich mir mehr als bewusst. Aus einem Sanitäter wird auch kein Rettungsassistent bzw Notfallsanitäter, weil ich dazu gar keine Möglichkeit habe. 
Also was fehlt mir? Was ist es. Wo ist der eine winzig kleine Punkt, der mich so Denken lässt? 
Ich finde mich selbst auch aus der psychologischen Sicht super interessant. Ein typisches Krankheitsbild vertrete ich nicht. Es könnte sich aber eines daraus entwickeln. Ebenso sehe ich die Therapie als Studie an. Was passiert, damit ein Mensch so wird, wie er ist. Irgendwann kann ich ein Buch darüber schreiben. Es ist höchst interessant. 
Auch aus diesem Grund gefällt mir die Arbeit mit meinen Bewohnern. Eine ist zum Beispiel dabei, die redet seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes kein Wort mehr. Von jetzt auf gleich. Werde ich irgendwann zu ihr durchdringen können? Wie kann so etwas passieren, wie kann man es beheben? 
Ich werde in den nächsten Wochen/Monaten viel über mich selbst und über die Psychologie lernen. Danach bin ich gewappnet für meine Arbeit in einer Psychiatrischen Klinik. Denn da möchte ich hin. Nicht als Patient, sondern als Pflegerin. 

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