Mittwoch, 17. Februar 2016

Zeitmanagement

Jetzt habe ich doch zwei Wochen schon nichts mehr von mir lesen lassen. 
Doch es ist gar nicht so einfach. Seit 01.02. arbeite ich nebenbei in einem Pflegeheim auf einer Station für an Demenz erkrankte Personen. Kurz dazu:
- Es mach unglaublich viel Spaß mit den Bewohnern zu arbeiten
- Es ist oftmals traurig, wenn man sieht, was im letzten Abschnitt des Lebens übrig bleibt. Ein kleiner Kleiderschrank, keine Privatsphäre, keine Hobbys. 
- Demenz ist keine Erkrankung, die ich niemandem Wünsche. Ich sehe verschiedene Stadien des Abbaus. Manchmal kann ich froh sein, wenn die Bewohner mich nach 30 Minuten noch erkennen. 
- Natürlich passieren trotz allem lustige Sachen. Die Gespräche sind oftmals Gold wert! Ich brauche auch diese Art von Humor, da mich das ganze sonst viel mehr treffen würde. 

Nebenbei habe ich natürlich noch meinen Partner, meinen Sohn, Haushalt, Tiere, Freunde etc. (Diese Aufstellung sagt nicht aus, wer an welcher Stelle steht.) 
Ich arbeite 38 Stunden die Woche. Also Vollzeit. Im Pflegeheim abends und am Wochenende. Somit bleibt mir kaum ein komplett freies Wochenende. 3 nE steht zu mir und versucht mich zu unterstützen. Allerdings scheint die Demenz ansteckend zu sein. Ich bitte ihn um etwas und er vergisst es innerhalb der 4 Stunden, die ich nicht da bin. Doch mein komplett vollgestopfter Terminplan ermöglicht es mir, darüber hinweg zu sehen und nicht böse zu sein. Ich bin einfach viel zu kaputt, um mich da in etwas hinein zu steigern. Außerdem denke ich wirklich, dass er macht, was er kann. 
Mein Sohn bleibt auch etwas auf der Strecke. Doch ich werde mit ihm die Zeit, die wir haben, effektiver nutzen. Davon haben wir beide mehr. Er hat dadurch sogar mehr von mir, weil er nicht immer "nebenher" läuft. 
Das Problem ist, dass ich natürlich alles perfekt machen möchte. Und natürlich gebe ich auch nicht zu, dass alles ein bisschen viel ist. Warum sollte ich auch? Ich bin die perfekte Bine, die um alles in der Welt die Fassade aufrecht erhalten will, dass sie natürlich alles schafft, ohne zu meckern, ohne an ihre Grenzen zu stoßen. Man könnte auch sagen, dass ich anderen scheinbar unbewusst, ein schlechtes Gewissen machen möchte, was man alles trotz Kind und Tieren schaffen kann. Mein Appell an euch: Nehmt mich NICHT zum Vorbild! Niemals. Auf gar keinen Fall. Mein Leben ist momentan ein Kartenhaus. 10 Stockwerke hoch, 3 Meter breit. Ein Windstoß und es fällt in sich zusammen. Mein Rhythmus gerät völlig durcheinander. Ich arbeite bis 20 Uhr im Pflegeheim. Mein Abendessen findet momentan um ca 21 Uhr statt. Ergo gehe ich auch viel später in mein Bett, muss aber morgens um spätestens 06:45 raus, da ich in die Arbeit muss und mein Sohn in den Kindergarten. 
Langfristig wird was auf der Strecke bleiben. Die Frage ist nur, ob ich es schaffe, das Richtige auszuwählen. Doch ich weiß auch, dass ich alles hinbekomme. Wie immer. Sehr schizophren das Ganze. Außerdem schiebe ich es, wenn es nicht klappt, auf falsches Zeitmanagement. Das muss doch alles machbar sein.

 Zu 3 nE. Da wir momentan kein passables Haus für uns finden, haben wir beschlossen, erst einmal in der Wohnung zu bleiben. Im Gegenzug machen wir uns es hier aber schön und gemütlich. Wir waren Samstag Nachmittag in der Ikea. Was da los war, glich der Apokalypse. Viel zu viele, unglaublich viele, mehr als laut Brandschutzordnung erlaubt wären, Menschen. Sie waren überall. Beinahe hatte ich Angst, die Kleiderschränke zu öffnen, weil ich dachte, da könnte sich einer verstecken. Jetzt weiß ich auch, warum dort so viele Sofas und Stühle ausgestellt sind. Ganz einfach: Damit noch mehr Menschen in die Ikea passen. Wenn auf einem 3-Sitzer Krögü 5 Personen sitzen, können 10 mehr durch den Gang laufen und uns behindern. Wenn jemand an Klaustrophobie leidet, kann er sich dort wunderbar seiner Angst stellen. 
Die einzige Aussicht nach 22 Minuten an der Kasse stehen, waren die HotDogs. Frisch gestärkt mussten wir auch noch unser Auto suchen. Nach weiteren 15 Minuten hatten wir es. Dank jahrelanger Tetris-Erfahrung (Gott sei Dank sind wir Kinder der 80er und 90er), war das Auto schnell voll geladen und es ging nach Hause. Dieses Kapitel ist erst einmal für mich erledigt. 
Ein neues Sofa habe ich im Internet bestellt. 

Dank meiner Tavor-Einstellung (Mir ist alles egal bzw ich werde nur noch wichtigen Dingen erlauben, mich darüber in vollem Ungarn-Temperament aufzuregen), läuft es so weit ganz gut. Was soll ich Pechvogel auch anderes sagen? "Jeder hat sein Päkchen zu tragen!" Das ist auch ok, aber meines gleicht eher einem 40 Tonner voll. Damit kann ich gut leben. Immerhin gibt es einem Mann, der dazu bereit war, das ganze mit zu tragen. Er dachte wahrscheinlich, ich übertreibe :-D 
Mittlerweile weiß er es besser. Jeder, wie er es verdient. 

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