Samstag, 7. Mai 2016

Tage der Eltern

Ich finde es wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich Vater und Mutter die jeweils besonderen Tage verbringen. 
Der Papa von meinem Zwerg hat zum Grillen geladen. Allerdings nur meinen jetzigen 3 nE, keine Frauen. Wie komme ich auf so eine dreiste Idee!? Und als ich ihn gefragt habe, ob er das Kind mitnehmen will, hat er mich so entsetzt angeguckt, als hätte ich ihm vorgeschlagen, selbstständig eine OP am offenen Herzen bei vollem Bewusstsein bei ihm durchzuführen. 
Gegen 22:30 Uhr kam 3 nE dann betrunken nach Hause. Aber das ist natürlich nichts außergewöhnliches. Bei vielen Männern und Jugendlichen die draußen unterwegs waren und Vatertag gefeiert haben, kann man froh sein, wenn diese überhaupt grob wissen, wie ein Kind aussieht. Oder vielleicht feiern auch einige bereits Vatertag, obwohl sie noch gar nicht wissen, wie der letzte Discobesuch ausgegangen ist. Vorfeiern ist bekanntlich das schönste Feiern. 
Nun möchte ich mich dem Brauchtum etwas genauer widmen. 
Die Sache mit dem Bollerwagen leuchtet mir ein. Das Bier muss transportiert werden oder auch der betrunkene Kumpel. Außerdem eignet das Teil sich super als Übung für das spätere Kinderwagen schieben. 
Die Geschichte mit dem Bier... Dieses Jahr besonders exzessiv, da das Reinheitsgebot Jubiläum hat. Bestimmt war das der Grund. Hoffentlich. Vielleicht. Eher nein. Männer brauchen Beweggründe, um Bier zu trinken: Das Fussballspiel, die Geburtstagsfeier, Weihnachten, Stress, Feierabend, jegliche Art von allem. Mich wundert es, dass kein Mann sich denkt: "Ich muss auf die Toilette, Zeit für ein Bier!" Dass das Bier in Bayern als Grundnahrungsmittel zählt, ist natürlich auch eine wunderbare Ausrede. 
Am Vatertag gilt jedoch Quantität vor Qualität. Es wird mindestens ein Kasten der billigsten Plörre gekauft und lustig des Weges gezogen und getrunken. Verständlicherweise soll man beim Sport auch viel trinken. Und da Bier zu sehr viel Prozent aus Wasser besteht, leuchtet es ein, dieses isotonische Getränk als Ausgleich zum kilometerlangen Marsch quer durch die Weltgeschichte zu sich zu nehmen. Kilometerlang allerdings hauptsächlich, wenn sich nach 500 Metern der Kasten bereits zur Hälfte geleert hat und man sehr kurvig seines Weges geht. Insgesamt werden so an die 3000 Meter für eine 200-Meter-Strecke gegangen. 
Nicht zu vergessen, dass Vatertag auch der einzige Tag im Jahr ist, an dem Man(n) seine Kumpels wieder sieht, neben Weihnachten, Geburtstagen, Grillabenden, Fussballspielen etc. Das muss auch gefeiert werden. 
Ganz wichtig ist auch, dass man laut und sinnloses durch die Gegen gröhlt. Bei Hirschen mag diese Art des Balzens funktionieren, bei betrunkenen Männer eher weniger. Das hat ihnen nur noch keiner gesagt. 
Und falls es doch funktionieren sollte, gibt es vielleicht im nächsten Jahr einen wirklichen Grund, Vatertag zu feiern. 

Frauen begehen ebenso exzessiv diesen Feiertag. Es wird die Wohnung geputzt, Blumen gekauft, diverse Geschenke, schließlich erwartet man Besuch oder geht besuchen. Man ist nicht nur Mutter, sondern man hat auch eine Mutter, Schwiegermutter, Oma etc. Allen soll Dank gezollt werden! Das Tolle daran ist, dass das ganze bereits ein oder zwei Tage vorher beginnt, da sich so eine Wohnung nicht von alleine putzt. Außerdem ist es meist so, dass das Wetter wirklich schön wird, also brauchen auch die Fenster ihre Grundreinigung. Und auch das passiert nicht von alleine. Der Kuchen wird Sonntag morgens auf die schnelle gebacken. Sehr beliebt ist Erdbeerkuchen, da diese Früchte einem zu diesem Zeitpunkt preislich fast hinterher geworfen werden. Der Blumenstrauß ist natürlich ein in mühevoller Kleinstarbeit ausgesuchtes Kunstwerk vom Blumenladen. Es kommt eben doch auf die Größe an!
Aber beginnen wir am Morgen. Die Mutter steht bereits um 5 Uhr auf, weckt niemanden, um den Kuchen vorzubereiten. Anschließend legt sie sich wieder ins Bett und wartet darauf, von ihren Kindern geweckt zu werden. Diese haben die halbe Nacht vorher damit verbracht, ein wunderbares Geschenk zu basteln. Dass das Kinderzimmer schlimmer aussieht als Nürnberg ´45, ist zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Irgendwann steht Papa auf, natürlich unglaublich vorsichtig, um die schlafende Mami nicht zu wecken. Das Kind ist bereits wach und hat so eine Vorfreude, was die Mutter zu dem Geschenk sagen wird, dass es eigentlich nicht warten möchte, bis sie alleine aufwacht. Aber als pflichtbewusster Papa sorgt er natürlich dafür, dass das Kind die Mama ausschlafen lässt. 
Währenddessen sorgt er für ein leckeres Frühstück. Die angeblich schlafende Mutter betet währenddessen, nicht die Feuerwehr holen zu müssen, da die Flüche und Gerüche aus der Küche schlimmes erahnen lassen. Das Kind wurde vor dem Fernseher/Laptop/Ipad/Handy geparkt, denn da geht es am wenigsten auf den Geist. 
Um 07:30 Uhr ist es dann soweit. Als Mutter hat man um diese Zeit natürlich längst ausgeschlafen. Für den Vater am Tag nach Vatertag gilt natürlich 14 Uhr als Ausschlafzeitpunkt. 
Das Kind stürmt mit Papa, Frühstück und Geschenk das Bett. Die Mama ist total überrascht: Keiner hat Muttertag vergessen, an einem Tag im Jahr ist sie die Königin! Immerhin bis 09:00 Uhr, denn da ist das Frühstück beendet. Der starke Kaffee sorgt für die erste kleine Herzattacke. Es werden aber noch mehr kommen, die in Stärke und Intensität zu nehmen. Danach schmeckt der verbrannte Toast mit der Nicht-Lieblings-Marmelade dennoch sehr gut. Das noch rohe Rührei wird genüsslich verspeist und Mann und Sohn werden für diese außerordentliche Heldentat mehr als nur einmal gelobt. Schließlich gucken auch beide wie Hundebabys, die darauf warten, endlich mit dem Ball spielen zu dürfen. 
Jetzt kommt der Höhepunkt: Das Geschenk. Der Vater hat ganze 5 Minuten an der Tankstelle den Abend davor verbracht, um trotz Kater von Vatertag, den erstbesten Blumenstrauss für 2,99 €  zu kaufen. Die mittlerweile etwas vertrockneten und zerknitterten Blumen werden so herzallerliebst betrachtet, als hätte man ein Baby im Arm. (Merke: Bei nächster Gelegenheit dem Mann mitteillen, dass der Kleiderschrank nun wirklich nicht die beste Aufbewahrung ist.) 
Ein liebevoll in 10 Meter Geschenkpapier und drei Rollen Tesafilm verpacktes Geschenk des Kindes wird nun ausgepackt. Nach innerlichen Flüchen, dem charmanten Dauergrinsen im Gesicht und drei abgebrochenen Fingernägeln später, hält man einen unförmigen Klumpen Ton in schrillen Farben (Nina Haagen ist wirklich dezent dagegen) bemalten in der Hand. Das Was-auch-immer-es-sein-mag wird größte Beachtung geschenkt. Nicht zu vergessen, das wiederholende Lob alle 5 Sekunden. Eine geübte Mutter vergießt hierbei auch noch das ein oder andere Tränchen und überschüttet das Kind mit so vielen Küssen, dass es nicht mal nach zwei Stunden Baden sauberer wäre. 
Das Geschenk ist das Beste, Schönste, Unglaublichste, was man jemals in der Hand gehalten hat! Das soll/muss das Kind spüren. Und darin ist die Mutter begabt. Man kann hier durchaus sagen, sie ist talentiert dafür, Mami zu sein.
Nach diesen 45 Minuten des wohlwollens ist der Muttertag für einen selbst bereits zu Ende. Die Küche muss geputzt werden, das Kinderzimmer, die Wohnung. Besuche stehen an, weitere Geschenke verteilen. 

Und trotzdem ist es so, dass dieser Tag für jede Mutter besonders ist. Man regt sich nicht über den ganzen Stress oder die Sauerei auf. Und wenn man viele Jahre später die Tontasse in der Hand hält, kann man sich noch genau an die strahlenden Kinderaugen erinnern. In diesem Moment weiß man ganz genau, dass man die Beste Mutter der Welt ist und an Muttertag ein riesiges "Danke" bekommt. Das hilft einem, das ganze folgende Jahr bis zum nächsten Muttertag durchzuhalten und über viele kleine Ärgernisse hinwegzusehen. 

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