Sonntag, 12. Juni 2016

Ende und Punkt

Der 31. Mai 2016 kam immer näher. Für uns ein besonderes Datum. Denn der Höllennachbar hatte bis abends 18 Uhr Zeit, seine Wohnung zu räumen. 
Natürlich machte er keinerlei Anstalten, dies zu tun. 
Aber da wir ihm alle einen gebührenden Abschied bereiten wollten, geschah folgendes:

Am frühen Vormittag, die Zeit zeigte ca 10 Uhr, nahmen sich folgende Personen Zeit, diesen Abschied gebührend zu begleiten: zwei Streifenwagen der Polizei in Zivil, ein Krankenwagen, eine Richterin und eine Dame vom Jugendamt. 
Natürlich waren auch die Nachbarn geladen, denn nach einem Jahr intensiven zusammenlebens, wollten auch wir ihn Auf-Nimmer-Wiedersehen heißen. 

In einer ruhigen Prozession gingen wir alle hinauf in die Wohnung. Sachte wurde mit starkem Klopfen an die Tür geschlagen, schließlich wollten wir sichergehen, dass er von seiner Matratze fällt und sich ordentlich erschrickt. Natürlich eilte er sofort herbei, um uns nicht die Tür zu öffnen. Somit blieb der Polizei nichts anderes übrig, als ihre speziellen Moves auszuprobieren, die sie gelernt hatten, um eine Tür zu öffnen. Dass die Tür nur angelehnt war, da sie so kaputt war, um eingebaut zu sein, machte die Sache sehr einfach. 

Es gab Geschrei, Erklärungen seitens Richter und Jugendamt, eine kurze Kappelei und der Nachbar wurde in Handschellen abgeführt. Im Hof standen wir unter klatschen und rufen Spalier. Die Stimmung glich einer Hochzeit: Glücksgefühle, manch Träne, Freude, schönes Wetter. Das hätte niemand besser malen können. 

Es ging mit dem KTW in die psychiatrische Klinik. 
Das Aufgebot war noch nicht einmal richtig abgefahren, gingen wir nach oben, um auch seiner Freundin "Auf Wiedersehen" zu sagen. Wir haben sie wie ein wütender Mob damals Dracula, sie hinausgejagt. Leider hatten wir keine Mistgabeln oder Fackeln zur Hand. Wäre auch blöd gewesen, wenn wir selbst unsere Wohnungen angefackelt hätten. 

Sie ging unter Tränen. Immerhin war sie immer das arme Opfer! (Allerdings wissen alle die Wahrheit. Sie steht ihrem Partner in nichts nach.)

Als sie so von dannen zog mit ihrem Gepäck, strömten wir in alle Richtungen aus, um Werkzeug zu beschaffen - das Eingangsschloss musste ausgetauscht werden. 

Allein die Ersatzschlüssel, da unser Nachbar einige verloren hatten, kosteten die Vermieterin um die 150 Euro. Und typisch deutsch, wollen wir einfach unter uns sein, niemanden hereinlassen und sicher gehen, dass auch wirklich kein Mensch auf die Idee kommt, einen gefundenen Schlüssel auszuprobieren. In erster Linie Freunde der beiden, bei denen sie noch Schulden oder eine Rechnung offen hatten. 

Am Nachmittag kam noch einmal die Polizei vorbei, um die Freude mit uns zu teilen. Naja, eigentlich haben sie ihn gesucht, da er aus der psychiatrischen Klinik ausgebrochen ist. Wir haben der Polizei versichert, dass wir ihn ganz sicher NIE WIEDER bei uns ins Haus lassen und wir sofort anrufen, wenn wir ihn sehen. 

Im letzten Jahr habe ich beinahe mehr mit der Polizei als mit meinen Freundinnen telefoniert. Das sagt viel aus. 


Er ist jetzt seit 2 Wochen knapp weg. Und ich genieße es, durch zu schlafen, keinen Lärm über mir zu haben und meinem Sohn nicht dauern erklären zu müssen, warum es Menschen gibt, die einfach nur unmöglich sind. 

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