Montag, 26. September 2016

Zwei vs. ein Elternteil

Heute widme ich mich einem großen Anliegen. Dass Alleinerziehende es nicht einfach haben, ist bekannt. Dass die Mama-Papa-Kind-Konstellation super ist, ist auch bekannt. Aber wie sieht es mit der Zwischenform aus? Mit dem sogenannten Wechselmodell? Dazu möchte ich euch ein bisschen was schreiben. 

Ich bin nicht (mehr) Alleinerziehend. Das war ich noch nie zu 100%. Nur zu 75. Die anderen 25 war Papa da. Mein Geld habe ich trotzdem alleine verdient, ebenso die Ausgaben alleine getragen. Es war nicht perfekt, aber machbar. 
Auch wenn ich einen Partner habe, der mich super unterstützt und mit mir eine Familie bildet, spielt trotzdem der Papa eine sehr große Rolle in meinem Leben. Seit einem Jahr etwa, haben wir ein Wechselmodell. Das heißt, mein Sohn ist eine Woche bei mir, eine Woche beim Papa. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Beide Elternteile erleben den regulären Alltag. Beide Elternteile sind für die Erziehung gleichermaßen verantwortlich. Beide Elternteile tragen Ausgaben für das Kind gemeinsam. Und das allerwichtigste, mein Sohn hat seinen Papa und niemanden durch die Scheidung verloren, sondern, wenn man unser beider Partner mit einbezieht, neue Familienmitglieder dazu bekommen. Natürlich ist die "freie" Woche super, damit ich mehr arbeiten kann (Nebenjob) oder auch einmal Termine wahrnehmen kann. Ebenso ist es sehr wichtig, auch mal "Freundin" oder "Partnerin" zu sein - nicht immer nur mit Anhängsel. In der Theorie eine perfekte Kombination - in der Praxis nicht immer leicht. 
Das hat folgende Gründe:
Papa und ich müssen permanent Kontakt haben. Sei es wegen Kiga-Veranstaltungen, Arztbesuche oder teilweiser Änderung der Wochen, wenn jemand etwas mit dem Kleinen geplant hat. Es führt aber zu Streitereien, da es bestimmte Gründe gab, warum wir uns getrennt haben. Diese Streitigkeiten sind nach wie vor vorhanden, sonst wären wir nicht geschieden. Das führt auch gerne mal zu Spannungen. Auch Erziehungsfragen und -themen sehen wir teilweise unterschiedlich. Grundregeln braucht aber das Kind. Die hat der Zwerg auch, aber einige Bereiche, zum Beispiel Fernseh-Zeiten, sehe ich anders. Da ist unsere Kommunikationsfähigkeit gefragt. Die leidet durch die Trennungsgründe. Ich möchte nicht, dass mein Sohn unter Woche fernsieht. Der Papa sieht das lockerer. Da werden wir uns auch niemals einig. Ebenso bin ich der Meinung, dass Gabor Ergotherapie besuchen sollte. Der Papa nicht. Er möchte auch nicht mit ihm dorthin gehen. Das bleibt einmal wöchentlich an mir hängen. Es war schon ein Kampf, den Papa überhaupt zu überzeugen, dass das eine gute Sache ist. Wieder Telefonate, Gespräche, Streitigkeiten. Kleine Kämpfe, die es oft zu führen gibt. 
Viel zu melden, haben unsere neuen Partner nicht, da das andere Elternteil sehr präsent ist. Auch bekommen diese den Ärger ab/mit und können nicht viel tun. Anfangs hatte ich noch Sorge, dass ich meinen Sohn "schlechter" erziehen kann, wenn er nur eine Woche bei mir ist. Oder wenn ich krank bin, ist die Woche vielleicht schon vorbei und ich hatte nicht viel von meinem Sohn. Ich mag es auch nicht, wenn andere mich "beneiden", wie ich Kind, Job, Hobby unter einen Hut bekomme. Als "Teilzeit-Mami" geht das eben deutlich einfacher. 
Finanziell stehe ich auch nicht schlechter da, als vorher. Eher besser. Da durch das Wechselmodell niemandem Unterhalt zusteht, muss jeder für den Kleinen gleichermaßen aufkommen. Aber durch die vermehrte Freizeit kann ich mehr arbeiten gehen. Haupt- und Nebenjob sind bei mir zeitlich ein Vollzeitjob. Eben nur gesplittet. 
Toll ist allerdings, dass wir Weihnachten und auch den Geburtstag zusammen verbringen. Toll ist, dass unser Sohn uns nicht gegenseitig ausspielen kann, weil wir miteinander reden. Das hat er auch ziemlich schnell verstanden. Als ich ihm das erste Mal gedroht hatte, dass ich Papa anrufe und frage, ob das so stimmt, hat er noch gelacht. Nach dem Telefonat hat er nicht mehr gelacht. Toll ist, dass nicht nur Papa die schönen Erlebnisse teilt, sondern auch den manchmal anstrengenden Alltag. Toll ist, dass wir ein Verhältnis haben, dass man zwar nicht als Freundschaft bezeichnen kann, aber wir können uns mit Respekt begegnen. 
Durch unsere neuen Partner ist es uns möglich, dass wir alle arbeiten gehen können. Einer von vieren ist immer da, um auf ihn aufzupassen. Auch, wenn er einmal krank ist. 

Jede Familien-Konstellation hat Vor- und Nachteile. Man kann nie pauschal sagen, dass diese oder jene schlechter oder besser ist. Ich bin zufrieden mit meiner Großen-Happy-Patchwork-Familie. Der kleine Mann freut sich über seine große Familie, denn wir alle gehören dazu: Mama, Papa, unsere Partner und auch die Kinder der neuen Partnerin meines Exmannes. Er hat vieles gewonnen und das habe ich immer im Hinterkopf. Dann überstehe ich auch den nächsten Machtkampf. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen