Absurditäten einer Arzthelferin

15.12.2015

10 Gründe, warum eine Arzthelferin die perfekte Freundin ist:


1)      Sie ekelt sich vor nichts. Die drei großen A´s machen ihr nichts aus: Ausscheidungen, Ausschläge, alle Arten von Verletzungen.
2)      Sie ist sehr reinlich. Desinfektionsbedingt keim- und virenfrei rein.
3)      Sie ist immun gegen alle möglichen Arten von Krankheiten, da sie damit täglich konfrontiert wird.
4)      5 Dinge gleichzeitig tun, kein Problem.
5)      Sie ist ein perfektes Organisationstalent. Terminplanungen meistert sie gekonnt teilweise Monate im Vorraus.
6)      Sie nimmt jegliche Symptome ernst (denkt sich aber ihren Teil).Besonders wichtig, wenn es um die Männergrippe geht. Pflegen wird sie allerdings niemals. Schließlich ist sie keine Krankenschwester.
7)      Sie rechnet mit der schlimmsten Diagnose. Dadurch überrascht sie nichts mehr.
8)      Ein strahlendes Dauerlächeln trägt sie wie ein besonders schickes Accessoire tagtäglich mit sich herum. Dadurch sieht man ihr nie an, wann sie genervt ist, gelangweilt, gestresst.
9)      Auch im größten Chaos behält sie den Überblick. Zig Patienten gleichzeitig behandeln, jeder ist der wichtigste, kein Problem.
10)   Und der wichtigste Punkt: Sie erfüllt stets die abenteuerlichsten Wünsche. Zwei verschiedene Kugelschreiber im Sprechzimmer? Kein Problem. Einen längeren Termin, um über das Angelwochenende zu reden? Kein Problem. Die Kaffeetasse mit dem Henkel nach rechts, 2 ½ Würfel Zucker rechts daneben und exakt 3,2 ml Milch. Kein Problem.


10 Dinge, die eine Arzthelferin (innerlich) auf die Palme bringen:
1)      Das Wartezimmer ist voll. Trotzdem muss jeder einzeln herauskommen und nachfragen, ob es denn lange dauert.
2)      Symptome, die man nicht sieht/hört/abtasten kann/nicht im Blut findet. Jeder muss ernst genommen werden, manche sind aber übertrieben vorsichtig.
3)      Am Telefon die Symptomatik übertreiben. „Kann sich kaum auf den Beinen halten.“ Patient kommt alleine, kann laufen und hat eigentlich nur ein bisschen Schnupfen. Aber das ist natürlich ein Notfall.
4)      Panikmache im Radio. Z.B. die Schweinegrippe. Gefühlte 20 Patienten mehr am Tag, die im Radio über die Symptome gehört haben und nun der Meinung sind, ihnen gehe es genauso.
5)      Patienten klare Anweisungen geben, die dann sowieso nicht befolgt werden. „Ach, ich mache das dann aber anders zu Hause.“
6)      Während der Behandlung mit rein fummeln. Es ist natürlich sehr einfach, einen Verband anzulegen, wenn derjenige ständig seine Hände dazwischen legt.
7)      Verwandte, Freunde, entfernte Bekannte, die der Meinung sind, man sei Arzt und nicht bloß die Helferin.
8)      Patienten, denen man beim einkaufen begegnet und die nur „schnell“ die letzten Blutwerte wissen möchten, oder einen Termin brauchen. Ich kann nicht immer meinen PC dabei haben und auch ich habe mal Freizeit. (Gut, sehen viele Verwandte/Freunde/Bekannte auch nicht so.)
9)      Der Helferin mehr anvertrauen als dem Arzt. „Ich möchte ihn nicht unbedingt länger aufhalten. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm/wichtig.“  Wir reden mit unseren Chefs. Ich erzähle alles, was ich weiß. Bei uns auf dramatisch und beim Arzt herunterspielen oder gar nicht erst erwähnen, bringt gar nichts.
10)   Wenn man Sprechstundenhilfe genannt wird!!!!!!!!!!!!!!!!!!! NIEMALS zu einer gelernten, voll ausgebildeten, an zig Schulungen im Jahr teilnehmenden Arzthelferin sagen, sie sei Sprechstundenhilfe. Das ist abwertend. Keiner würde sich trauen, zu einem Schreiner „Holzbearbeiter“ zu sagen oder zu einer Krankenschwester „Bettschüssel-Trägerin“.
11)   Huch, ich brauche noch einen 11. Punkt. Googlen. Hört doch bitte auf, eure Symptome zu googlen und dann mit einer direkten Diagnose zum Arzt zu gehen. Würden wir das so handhaben wollen, gäbe es im Wartezimmer  einen PC mit Internet. Wir haben Erfahrung, der Doc hat studiert und auch Erfahrung. Nicht jeder Kopfschmerz ist ein Hirntumor und nicht jedes Muttermal Hautkrebs. Wirklich nicht. Dafür verbürge ich mich.
 











Ich LIEBE meinen Job. Ich liebe jeden einzelnen Tag, jeden Patienten, jedes Symptom, jede Diagnose, jede Hilfe, die ich ihm zu Teil werden lassen kann. Vor 10 Jahren habe ich meine Ausbildung begonnen und bisher keinen Tag bereut. 
Die Medizin wurde mir in die Wiege gelegt. 
Obwohl ich als Kind in jedes Freundebuch als Beruf Bundeskanzlerin oder Archäologin geschrieben habe und nicht Ärztin. 
Dennoch gibt es viele Dinge, die mich stören. Ich möchte mich hier nicht über unser fragwürdiges Gesundheitssystem auslassen, sondern eher um die Dienstleistung an sich. 
Als gelernte Frisörin kann man sich schließlich irgendwann selbstständig machen, oder zumindest nebenbei schneiden und dafür Geld verlangen. Finde ich völlig gerechtfertig, die Gehälter im Dienstleistungsbereich sind schließlich ein Witz. 
Bei mir sieht das allerdings anders aus. Ich werde von Freunden angerufen, teilweise mehrmals nacheinander, beinahe schon belästigt, wenn es um deren Erkrankungen angeht. Ich habe Bienenstachel gezogen, Freunde beruhigt, Verbände angelegt, Freunde beruhigt, zu Medikamenten geraten, Freunde beruhigt, ggf. zu Arztbesuchen geraten, Freunde beruhigt, zu Behandlungsmöglichkeiten informiert, Freunde beruhigt. Doch kein einziges Mal konnte ich dafür eine Rechnung stellen oder gar etwas verlangen! Es ist sehr schade, dass die Menschen um mich herum davon ausgehen, dass die Gesundheit bzw. die Hilfe dafür durch mich kostenfrei zu Verfügung gestellt werden muss. Man erwartet von mir eine kompetente Beratung, obwohl ich "nur" Arzthelferin bin. Falls ich jemals Ärztin werden sollte, habe ich wahrscheinlich gar keine Zeit für richtige Patienten, sondern behandele nur meine Freunde. Andererseits würde ich dann bezahlt werden. Also doch kein so schlechter Gedanke. 
Mittlerweile ist das ganze jedoch auch schon ausgeartet. So wurde ich zu Katzengeburten gerufen oder auch zu Verletzungen eines Hundes. Mein Job zieht sich in meine Freizeit mit rein. Man kann schon sagen, es handelt sich um einen 24 Stunden Job. Wenn mich jemand zu Schwangerschaft und Geburt befragt, ist das ja in Ordnung, immerhin habe ich damit mehr als genug Erfahrung. 
Vielleicht sollte ich mich mehr in die Psychologie einfinden und einfach mal meinen Freundeskreis in Gesprächen zerlegen. Mal sehen, ob sie dann immer noch meine Arbeit als hilfreich erachten. 






Dieser Artikel ist nicht so ernst gemeint, wie er vielleicht beim Leser ankommt. Ich mache das gerne und werde dies auch weiterhin tun. Natürlich bin ich gerne für meine Leute da. Ich hab euch alle lieb :-)

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