Mutter sein - Beruf - Hobby - machbar

Ein Thema, welches zwar schon mehr als zur Genüge durchgekaut wurde, doch auch ich habe einiges dazu zu berichten. Es ist keine perfekte Anleitung, soll es auch nicht sein. In erster Linie geht es mir darum zu zeigen, was man -trotz und mit Kind- alles schaffen kann. Mein Erziehungsstil ist ruhig und locker, ein vorgegebener Rahmen, in dem mein Kleiner sich frei entfalten darf. Für meine Familie ist es perfekt. 

So gehe ich in der Arztpraxis 23 und im Pflegeheim im Schnitt 11 Stunden die Woche arbeiten, auch am Wochenende. Mit meinem Exmann habe ich einen wöchentlichen Wechsel vereinbart. Dieser dient dazu, dass ich mich erholen kann, auch einmal zu Terminen komme oder in dieser Woche mehr arbeite, damit die nächste Woche, wenn der Zwerg wieder da ist, etwas Ruhe herrscht. Der Vorteil für den Zwerg: Er hat seinen Papa. Wir wohnen im selben Ort. Jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte sich überlegen, ob das nicht auch für ihn in Frage kommt. 
"Nebenbei" mache ich meinen Haushalt. Durch die Tiere muss ich jeden Tag staubsaugen. Der Rest wird dann gemacht, wenn ich dazu komme. Es kann mich jederzeit jemand besuchen, aber vom Boden sollte keiner Essen. Die Waschmaschine läuft 3x die Woche. Durch die Programmierung kann ich es so timen, dass ich heimkomme und die Maschine fertig ist. Hängen bleibt sie so lange, bis ich die neue Wäsche aufhängen muss oder ich die Teile brauche. 
Zwerg bleibt morgens auch mal 20 Minuten alleine zu Hause und zieht sich an, in dieser Zeit kann ich mit dem Hund gehen. Wenn ich heimkomme, schnappe ich mir den Hund und hole Zwerg vom KiGa zu Fuß ab. So kommen beide raus. Und abends, wenn der kleine schläft, bekommt der Hund noch einmal eine kurze Runde. Ich komme trotzdem auf ca. 3 Stunden Gassi täglich. 
Das Abendessen ist meistens eine schnelle Sache, oftmals kalt. Dafür bekommt er im KiGa mittags warm. 
Abends geht er um 20 Uhr in sein Zimmer, dann lese ich ihm noch etwas vor oder wir reden, danach hat er Zeit für sich, zum Spielen, etc. Er geht selbstständig ins Bett, wenn er müde ist und wird auch morgens um 7 ohne Probleme wach. Meinen Sohn freut es, dass er einen Rahmen von mir vorgegeben bekommt, in dem er sich selbstständig bewegen kann. Vorteil für mich: Keinerlei Stress beim Ins-Bett-bringen, kein Gemeckere, weil er noch 5x rauskommt. Ich gebe auch ehrlich zu, dass er ab und an zum Schlafen gehen ein neues Oberteil anzieht, welches gleich morgen für den KiGa bestimmt ist. 
Mein Hobby gehe ich dann nach, wenn ich am Wochenende "frei" habe, also kein Kind und keine Arbeit. Reiten ist an einem Nachmittag in der Woche, an dem ich sonst nicht anderes habe bzw mir nichts anderes vornehme. 

Natürlich muss jeder Tag gut strukturiert sein und es dürfen keine plötzlichen Änderungen statt finden. Gibt es morgens schon Stress, wird der ganze Tag mies. Außerdem habe ich mittlerweile einen Partner, der mir vieles davon abnimmt. Oftmals den Hund oder Kleinigkeiten im Haushalt, Babysitten, damit ich meinen Hobbys nachgehen kann. Dazu gehört sein Verständnis, dass wir eine Familie sind und zusammen die Tage gestalten (müssen). Dankbar bin ich ihm dafür, aber nicht übertrieben, da es dazugehört. Er hat sich eine Mutter mit Kind und Hund gesucht. Für mich hat es viel Unterstützung gebracht und natürlich auch finanzielle Erleichterung, dass brauche ich nicht leugnen. Zu zweit stemmt sich vieles leichter und es macht auch deutlich mehr Spaß. Er bekommt eine chaotische Familie, mit der das Leben noch viel bunter ist. Wir gewinnen beide. 
Arbeit, Kind, Haushalt, Partner. Man muss eben Abstriche machen und die Zeit, die man übrig hat, sinnvoll nutzen! Anders mache ich es nicht. Unter der Woche laufen Kind und Partner nebenbei mit. Am Wochenende wird sich Zeit für beide genommen. Als er jünger war, hatte ich zum Teil Babysitter aus dem Freundeskreis. Gefremdelt hat er dadurch nie und begegnet Menschen offen und freundlich. Die ersten Schritte meines Sohnes habe ich dadurch verpasst. Welches sein erstes Wort war, kann ich nicht sagen. Das sind die Schattenseiten. 

Bisher hat er keinen Schaden genommen. Er kann sich super selbstständig beschäftigen, ist stolz, dass er Freiheiten bekommt und sagt mir oft genug, was für eine tolle Mama ich bin. Dass wir Geld brauchen und ich deswegen "mehr" arbeiten gehe, damit kommt er klar, schließlich weiß er, dass auch er profitiert, indem es dann zwischendrin mal eine Kleinigkeit gibt oder zweimal im Jahr Urlaub, wo die Mama ganz viel Zeit hat. 
Mein Motto ist Ruhe. Je ruhiger ich meinem Kind begegne, desto besser spielt er mit. Je mehr ich ihn in die aktuellen Geschehnisse mit einbinde, sei es Finanzen oder wenn auch ich einmal krank bin, desto eher zeigt er Verständnis. Wenn ich krank bin, schmiert er mir ein Brot, lässt mich liegen und betüdelt mich. Auch das Belohnungssystem spielt eine Große Rolle. Ist er 10 Tage brav, bekommt er eine Kleinigkeit. Taschengeld kriegt er zwei Euro die Woche. Davon kann er sich mal was Süßes oder etwas anderes kaufen. 
Und die Summe aus meinen Handlungen ist ein Kind, dass sehr selbstständig ist! 

Auch gestehe ich mir ein, wenn es einmal nicht so gut läuft und mein Sohn mich an den Rand der Verzweiflung treibt. Dann nehme ich mich raus aus der Situation, gehe eine Rauchen oder sage ihm, dass ich 5 Minuten für mich brauche. Danach bin ich gestärkt und wir gehen die Sache neu an. Vieles habe verpasst und noch mehr werde ich nicht mitbekommen. 
Wir begegnen uns oft auf Augenhöhe und ich ermutige ihn, selbst Lösungen für Probleme zu finden oder es erst einmal alleine zu probieren. 
Aber jeder Tag, an dem er mir abends sagt, wie lieb er mich hat und wie sehr er sich freut mich zu sehen, weil er mich vermisst hat, zeigt mir, dass mein Weg richtig ist. 

Ein Kind ist trotzdem ein 24-Std.-Job. Wenn er krank ist oder es ihm nicht gut geht, lasse auch ich alles stehen und liegen und bin für ihn da. Dann zählt nur er. 

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