Weihnachtszeit

Nächstes Jahr bin ich weg. An meinem Geburtstag sowieso, da dieser meist ziemlich spektakulär verläuft. Und die Weihnachtszeit. Wie gut, dass ich das verbinden kann, immerhin habe ich um den 1. Advent herum Geburtstag. 

Meine gespaltene Persönlichkeit wird in der Weihnachtszeit ebenso deutlich, wie bei meinen Männergeschichten. Ich mag die Vorweihnachtszeit, den Schnee liebe ich, mein Weihnachtsbaum und die Deko steht am 1. Advent, die Weihnachtsmärkte und die "stille Zeit". Still?! Eigentlich ist daran gar nichts still. Da ich einen Sohn habe, muss/möchte ich natürlich ein wunderbares Weihnachtsfest feiern. Die Problematik geht allerdings schon los, dass ich jährlich mit meinem Exmann eine vertretbare Lösung finden muss, wer wann den kleinen bekommt. Ich finde es von der Industrie/Politik etc. eine Frechheit, dass es nur 3 Tage sind. Warum keine 4 oder nur 2? Da hätten es geschiedene Eltern mit Kindern wirklich einfacher. Vielleicht werde ich eine Petition anregen. 
Ist dann ein Weg gefunden, geht es weiter. Hier eine Weihnachtsfeier, dort ein Weihnachtsessen, da drüben findet auch noch ein Beisammen sein statt. Warum immer um Weihnachten herum? Wenn man das ganze unter dem Jahr aufteilt macht es doch viel mehr Spaß und es staut sich nicht alles innerhalb von 4 Wochen. Diese Zeitspanne ist definitiv zu kurz. 

Letzten Samstag war meine Schicht auf dem Weihnachtsmarkt, Sonntag mein Geburtstag, nächste Woche Freitag und Samstag Weihnachtsfeiern, am 16.12. Weihnachtsfeier, am 24.12. den kleinen und 3 nE mit einem wunderbaren, perfekten Essen glücklich machen. Dafür benötige ich Stunden an Arbeit, alles muss/soll schön sein, das Essen dauert vielleicht 30 Minuten, danach die Küche sauber machen und das Kind bespaßen, bis es die Geschenke gibt. 

Natürlich gibt es auch noch die Besuche, die man abzuleisten hat. Da ich in meinem knapp 50 m² Palast leider nur begrenzt Sitzmöglichkeiten an meiner wunderbaren Weihnachtstafel anbieten kann, werden wir überall hinfahren (müssen). Es ist schließlich Weihnachten. Wenn ich alles zusammen rechne, komme ich auf folgende Besuchszahlen, die ich absolvieren muss: meine gute Freundin K. mit Tochter (kenne ich seit fast 5 Jahren, gehört also zur Familie), 3 nEs Familie (nur 3 Geschwister, Eltern, Oma), meine Eltern (zum Glück gibt es da seit 3 Jahren Funkstille, also habe ich etwas Ruhe), am 2. Weihnachtsfeiertag die Grillfeier mit 3 nEs Freunden. 

Vorab müssen Geschenke gekauft werden. Daran führt überhaupt kein Weg vorbei. Niemals. Wie, wenn es regnet und stürmt und der Hund raus muss. Man sagt vorab, dass man sich nichts schenkt, aber natürlich bringt man trotzdem "eine Kleinigkeit" mit. Hier Geld ausgeben, dort Geld ausgeben, der Sprit, der Verschleiß am Auto, da kommt einiges zusammen. Ich arbeite also von November bis Dezember für nur ein Fest an drei Tagen! Da läuft ganz gewaltig etwas verkehrt. 

Dieses Jahr bin ich auch noch der Meinung, dass ich Plätzchen backen muss, da mein Sohn der Meinung ist, dass ich nicht backen kann. Wie Recht doch mein kleiner 4jähriger hat! Aber da ich Perfektionistin bin, etwas masochistisch veranlagt, was diverse Veranstaltungen angeht, sage ich natürlich auch hier nicht nein. Sonst werde ich nie die Mutter des Jahres. 

Vielleicht möchte ich meinem Sohn auch einmal im Jahr das Gefühl geben, dass wir eine Familie sind und er beim Papa eine zweite Familie hat. Er hat also kein Elternteil verloren, sondern viele neue Menschen dazu bekommen. In das Strahlen seiner Augen, wenn er die Geschenke aufmacht, könnte ich mich jedes Mal verlieben. 

Weihnachtszeit bedeutet für mich Anstrengung und Stress. Wochen vorher schon. Für 3 Tage! Da ist nichts mit Ruhe und Besinnlichkeit. Zum Glück habe ich Urlaub nach Weihnachten, sonst bräuchte ich eine stationäre Therapie. Eine Auszeit nur für mich. Vollpension, nette Gespräche, die Suche nach neuen Hobbies. Einfach nur ich. Sonst keiner. 

Die Geschenke für meinen Sohn sind gekauft. Gebrauchtes Playmobil. Ja, ich gebe es zu, ich kaufe gebrauchtes Spielzeug. Ich sehe es nicht (mehr) ein, alles neu zu kaufen und dann über das doppelte zu bezahlen. Manche mögen mich für knauserig halten oder für arm, da ich mir keine neuen Sachen für meinen Sohn leisten kann, aber das geht an mir vorbei. In meinem Inneren kämpfe ich schon genug damit. 

Wochenlange Vorbereitung für 3 Tage. Wie bei einer Hochzeit. Nur diese wiederholt sich nicht in der Regel jedes Jahr. Zum Glück! 

Nächstes Jahr möchte ich an Weihnachten an irgendeinem Ort der Welt sein, wo Weihnachten keine so große Rolle spielt. An irgendeinem Strand, auf einer Privatinseln. Nur ich, der Strand, das Meer. Und dennoch weiß ich ganz genau, dass ich in genau einem Jahr wieder an diesem Punkt stehen werde. Wie heißt es so schön: "Alle Jahre wieder...". 

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